Städtischer Weinberg liefert Spitzenqualität

Dr. Jana Seidemann ist zufrieden: 570 Liter Most mit 112 Grad Oechsle brachte die diesjährige Weinlese im städtischen Weinberg „Diedenbergener Sonnenhang“ hervor – „eine Spitzenqualität“, so die Winzerin. Die Trauben ergeben etwa 700 Flaschen Wein. Durch die lange Trockenheit sind sie in diesem Jahr besonders süß.

Am Lesetag Ende September war das Wetter fast noch sommerlich. 23 freiwillige Lesehelferinnen und -helfer haben unter der fachkundigen Anleitung von Jana Seidemann die rund 400 Weinstöcke der Rebsorte „Weißer Riesling“ abgeerntet. Bei der traditionellen Vesper gegen Ende der Lese wurde auch der Wein des Jahrgangs 2024 verkostet. Nach Angaben von Bürgermeister Wilhelm Schultze ist nicht nur das Innere dieser Flaschen sehr gelungen, sondern auch das Äußere: Das Etikett für den Jahrgang 2024 hat die Grafikdesignerin Alicia Loske, die in Diedenbergen aufgewachsen ist, kostenlos für die Stadt gestaltet.

Der Weinbau in Diedenbergen hat eine lange Tradition. Von den Römern eingeführt, finden sich erste urkundliche Erwähnungen in Diedenbergener Gerichtsbüchern ab 1550. Dass der Weinbau in Diedenbergen zum Erliegen kam, ist der Industrialisierung zuzuschreiben. Viele Landwirte fanden Arbeitsplätze in der Industrie und führten fortan ihre Landwirtschaft nur noch als Nebenerwerb weiter. Weinberge lassen sich aber kaum ausschließlich nach Feierabend bewirtschaften. Deshalb wurden die Flächen in den 60er und 70er Jahren sukzessive aufgegeben.

Um dennoch die Tradition des Weinbaus im Hofheimer Stadtteil aufrechtzuerhalten, wurde 1988 ein Antrag beim Weinbauamt in Eltville gestellt. 1990 wurde dann der Weinberg neu angelegt.