Hofheimer Persönlichkeiten

2022 hat die Stadtverordnetenversammlung der Kreisstadt Hofheim im Taunus das Projekt „Hofheimer Persönlichkeiten“ ins Leben gerufen. Es zielt darauf ab, Bürgerinnen und Bürger von Hofheim am Taunus, die sich in besonderem Maße um die Stadt verdient gemacht haben, mit Gedenktafeln oder Gedenkstelen zu ehren. Diese Erinnerungszeichen sollen an Orten im Stadtgebiet installiert werden, die einen direkten Bezug zur geehrten Person haben. Um ein einheitliches Erscheinungsbild zu gewährleisten, werden alle Tafeln und Stelen in einem homogenen Design gestaltet. Die Auswahl der zu ehrenden Personen erfolgt durch ein schriftliches Vorschlagsverfahren, das allen Hofheimer Bürgerinnen und Bürgern ab 16 Jahren offensteht. Vorschläge können sowohl von Einzelpersonen als auch von Gruppen eingereicht werden. Eine unabhängige Jury entscheidet dann über die Auswahl der Persönlichkeiten. Der Magistrat der Stadt Hofheim ist für die Vorbereitung und Umsetzung des gesamten Prozesses verantwortlich, der auf der Basis der festgelegten Richtlinien durchgeführt wird. Dieses Projekt würdigt das Engagement und den Einfluss einzelner Bürgerinnen und Bürger auf die Stadtgemeinschaft und trägt zur Bewahrung des kulturellen und historischen Erbes von Hofheim bei.

Rolf Kubon (*16.01.1941 †14.03.2010)

 

Rolf Kubon leistete einen entscheidenden Beitrag zur Erforschung des Kapellenberges: Er erkannte als erster, dass es sich bei den Wällen sehr wahrscheinlich um Anlagen aus der jungsteinzeitlichen Michelsberger Kultur handeln müsste. Die Fachwelt hatte eine eisenzeitliche oder frühmittelalterliche Zeitstellung vermutet. Aber die Praxiserfahrung Kubons als Grabungstechniker des Frankfurter Denkmalamts und seine eigenen jahrzehntelangen Feldbegehungen und Grabungen legten nahe, dass nur eine viel ältere Zeitstellung möglich war. Im Zuge seiner Forschungen sammelte er tausende Fundstücke und erstellte Pläne und Karten. Einer seiner spektakulärsten Funde ist der Tulpenbecher aus der Zeit 3.800 bis 3.600 v.Chr., der im Logo des archäologischen Rundwegs zu sehen ist. Ohne sein Engagement wäre das Kooperationsprojekt zur Erforschung des Kapellenberges seit 2008 nicht zustande gekommen. Auch richtete er mit Günter Rühl im Jahre 1977 den ersten „Historischen Rundweg“ ein, viele Stationen des Weges wurden im 2020 neu konzipierten archäologischen Rundweg aufgenommen. Neben seiner Leidenschaft für den Kapellenberg war Rolf Kubon auch zu anderen lokalhistorischen Bereichen in Hofheim, Lorsbach und Höchst aktiv. 

Zur Erinnerung an den, am 14. März 2010 im Alter von 69 Jahren verstorbenen Hofheimer Bürger, hat die Stadt Hofheim eine Gedenkstele an seiner Wirkungsstätte aufgestellt.

Dr. Hanns Großmann (*28. Oktober 1912 in Kamenz †23. März 1999 in Hofheim)

Dr. Hanns Großmann hat sich auf vielfältige Weise um unsere Demokratie verdient gemacht – vor allem als Jurist und als Politiker. Unter anderem war er der Erste Staatsanwalt beim Ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess von 1963 bis 1965. Dabei haben 211 Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz gegen ihre Peiniger ausgesagt. Dr. Hanns Großmann hat als Leiter des Anklageteams Zeugen in den USA, in Polen, Israel und Deutschland befragt und das Grundsatzplädoyer gehalten. Der Prozess gilt als eines der bedeutendsten bundesdeutschen Verfahren gegen nationalsozialistische Gewaltverbrecher. Dr. Grossmann sagte von sich selbst, dass insbesondere die „Augenscheinnahme in Auschwitz [ihn] zum bleibenden Erschauern“ gebracht“ habe.

Außerdem hat sich Dr. Hanns Großmann jahrzehntelang als Kommunalpolitiker für unsere Demokratie eingesetzt. Von 1968 bis 1992 war er Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Hofheim; von 1968 bis 1985 Stadtverordnetenvorsteher. Für Hofheim waren das prägende Jahre: Fünf Stadtteile wurden eingemeindet, und eine neue Stadtgesellschaft hat sich herausgebildet. Von 1972 bis 1977 war er stellvertretender Kreistagsvorsitzender und von 1977 bis 1993 Kreistagsvorsitzender im Main-Taunus-Kreis. In allen Funktionen genoss er in ungewöhnlich hohem Maß das Vertrauen der Abgeordneten. Hinzu kam sein Engagement für die Thomasgemeinde und für den Geschichts- und Altertumsverein.