Kreisstadt beteiligt sich am Aktionstag Kommunen am Limit
Die Finanzlage der Städte, Landkreise und Gemeinden ist dramatisch: Das kommunale Defizit lag 2025 bei rund 30 Milliarden Euro – ein historischer Höchststand, Tendenz steigend. Eine Hauptursache sind steigende Sozialausgaben, die die Kommunen bundesgesetzlich leisten müssen, und bei denen in der Vergangenheit der Umfang und die Standards immer weiter erhöht wurden.
Für die Bürgerinnen und Bürger wird die kommunale Finanzkrise direkt spürbar. Und sie betrifft bundesweit viele kommunale Aufgaben wie z. B. die Instandhaltung von Schulen, Bibliotheken, Schwimmbäder, Spielplätze, Brandschutz, Kultur- und Sportangebote, den ÖPNV, die Krankenhausversorgung, die Wirtschaftsförderung und viele soziale Angebote.
„Es stimmt zwar, dass in Hofheim in den vergangenen Jahren auf lokaler Ebene auch Fehler gemacht wurden, welche die Krise in unserer Stadt verschärft haben, indem der finanzielle Puffer zu schnell aufgebraucht wurde. Das ändert aber nichts am grundsätzlichen und vor allem strukturellen Problem, dessen dramatische Auswirkungen wir nun wie viele andere Kommunen zu spüren bekommen. In diesem Sinne waren wir nur ein trauriger Vorreiter für eine Situation, in der sich viele Kommunen schon sehr bald befinden werden und sich teilweise schon befinden. Um auf diese Schieflage aufmerksam zu machen, beteiligen wir uns an diesem Aktionstag“, sagt Bürgermeister und Kämmerer Wilhelm Schultze.
„Angesichts dieser Herausforderungen, ist es besonders wichtig, dass wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Das ist vor allem bei uns vor Ort in der Kommune durch die vielen sozialen und kulturellen Angebote und Dienstleistungen möglich, die wir auch aktuell weiterhin erhalten möchten, aber aufgrund der gegebenen finanziellen Situation, sich diese aber zwangläufig anders gestalten. Es ist deshalb essentiell, dass wir entsprechend die finanzielle Ausstattung erhalten, um unser Angebotsportfolio und unser bekanntes Stadtbild zu erhalten“, sagt Erster Stadtrat Daniel Philipp.
Die Kommunen und ihre drei kommunalen Spitzenverbände fordern deshalb von Bund und Ländern:
- Das kommunale Finanzierungsdefizit muss vollständig beseitigt werden. Dies kann über eine jährliche Soforthilfe, eine Erhöhung des kommunalen Anteils an den Gemeinschaftssteuern sowie notwendige Reformen in den sozialen Sicherungssystemen geschehen.
- Der Grundsatz „Wer bestellt, bezahlt auch“ muss sofort für jede Aufgabenübertragung oder -ausweitung von Bund und Ländern gelten – mit einem vollständigen finanziellen und dynamisierten Ausgleich für alle Aufgaben, die den Kommunen von Bund und Ländern übertragen werden.
Die kommunale Finanzkrise ist nicht abstrakt. Sie ist sehr konkret vor Ort spürbar. Bund und Länder müssen handeln, damit der Staat vor Ort für seine Bürgerinnen und Bürger handlungsfähig bleibt.