Sehen, verstehen, mitgestalten: Bürgerinnen und Bürger werden selbst Kämmerer
Bei der Zusammenarbeit zwischen Stadt und den Unternehmern herausgekommen sind eine interaktive Plattform (Dashboard) Hofheimer Haushalt – Transparenz & Bürgerideen zur Bürgerbeteiligung, auf der die Bürgerinnen und Bürger auch selbst in die Rolle des Kämmerers schlüpfen können, und der Kurzfilm Sehen, verstehen, mitgestalten: Bürgerinnen und Bürger werden selbst Kämmerer - YouTube mit anschaulichen Grafiken zur Erklärung der Finanzlage.
„Wir freuen uns über das Engagement aus der Hofheimer Unternehmerschaft. Unser Ziel ist es, den Haushalt für die Bürger verständlicher zu machen und hoffen, dass Entscheidungen der Hofheimer Politik und Verwaltung dadurch nachvollziehbarer werden. Gleichzeitig haben wir einen zentralen Anlaufpunkt für Informationen. So sind Antworten auf Fragen, die uns immer wieder gestellt werden, für alle einsehbar“, sagt Bürgermeister und Kämmerer Wilhelm Schultze, der sich herzlich für den Einsatz der beiden Unternehmer bedankte.
„Die Informationen, die im Film und auf dem Portal gezeigt werden, werden für den ein oder anderen neu wirken. Tatsächlich handelt es sich aber um Informationen, die schon lange öffentlich und für jedermann einsehbar sind. Bislang war jedoch die Lektüre vieler Unterlagen, Vorlagen und Finanzstatusberichten nötig, um ein vollständiges Bild zu erhalten. Das Portal bereitet das komplexe Zahlenwerk der Kommune anschaulich, übersichtlich und ohne fachliche Vorkenntnisse nachvollziehbar auf. Dadurch erhalten mehr Menschen Zugang zu den Informationen – von den Bürgern, über die politischen Gremien bis hin zu einzelnen Mitarbeitenden der Verwaltung. Davon versprechen wir uns einen enormen Gewinn für die Lösung unserer finanziellen Probleme“, sagt Erste Stadtrat Daniel Philipp.
Wenn man komplexe Zusammenhänge spannend und verständlich erklären möchte, ist Film ein ideales Medium. Ich habe selbst gemerkt, wie schwierig es ist, als Außenstehender die finanzielle Lage einer Kommune zu beurteilen. Als Filmemacher habe ich hier eine Gelegenheit gesehen, mich einzubringen und dabei zu helfen, die komplizierte Situation der Stadt Hofheim für viele Menschen nachvollziehbarer zu machen. Auf dieser Basis ist es wahrscheinlicher, dass ein konstruktiver Dialog zwischen Bürgern, Verwaltung und Politik zur Lösung der Probleme weiter Fahrt aufnimmt“, sagt Fabian Sprey.
„Als Unternehmer bin ich es gewohnt, Entscheidungen auf Basis von Zahlen zu treffen, die jeder im Team versteht. Bei der Stadt lagen diese Zahlen längst offen, nur verteilt über Haushaltspläne, Vorlagen und Finanzstatusberichte, die kaum jemand nebenbei durcharbeitet. Wenn dann ein Angebot gekürzt oder eine Steuer erhöht wird und niemand nachvollziehen kann, warum, entsteht ein Vakuum, und in dieses Vakuum passt jede Erzählung. Genau da setzt das Portal an. Mir geht es nicht darum, politische Entscheidungen zu bewerten, sondern darum, dass die Menschen in Hofheim die Ausgangslage selbst nachrechnen können. Wer einmal am Simulationstool gesessen hat, merkt schnell, wie eng die Spielräume tatsächlich sind. Das ist unbequem, aber es ist die Grundlage für jede ernsthafte Debatte über die Zukunft unserer Stadt. Deshalb habe ich meine Zeit hier gerne eingebracht", sagt Konstantin Knapp.
Im Zentrum der Plattform steht die visuelle Aufbereitung sämtlicher Erträge, Aufwendungen, Investitionen sowie die Entwicklung der Liquidität der Stadt. Über interaktive Grafiken und Diagramme können Nutzerinnen und Nutzer auf einen Blick erfassen, wie sich das städtische Budget zusammensetzt und an welchen Stellen Mittel eingesetzt werden. Neben dieser klassischen Datenansicht bietet die Plattform zwei innovative und spezialisierte Funktionen, die den Haushalt auf lebensnahe und spielerische Weise erfahrbar machen:
Über das Tool „Wohin geht mein Euro?“ können Bürgerinnen und Bürger leicht nachvollziehen wie sich 100 Euro Steuergeld auf die einzelnen städtischen Leistungen verteilen. Auf diese Weise wird auf einen Blick sichtbar, welcher Anteil der Steuereinnahmen in die Kinderbetreuung, für die Kreis- uns Schulumlage, die Feuerwehr, den Straßenbau oder in kulturelle Angebote fließen.
Mit dem interaktiven Simulationstool „Sie sind Kämmerer“ schlüpfen Nutzerinnen und Nutzer selbst in die Rolle des städtischen Finanzdezernenten. Das Werkzeug veranschaulicht die komplexen Stellschrauben der kommunalen Haushaltspolitik und lädt zum Experimentieren ein. Anwender können eigene Szenarien durchspielen, indem sie Erträge oder Aufwendungen fiktiv anpassen – etwa durch das Verändern von Hebesätzen bei Grund- oder Gewerbesteuern oder durch Erhöhungen und Kürzungen in einzelnen Aufgabenfeldern. Die Anwendung berechnet in Echtzeit, wie sich diese Entscheidungen auf das Gesamtergebnis, das Haushaltsdefizit oder Rücklagen auswirken. Dadurch vermittelt das Tool ein fundiertes Verständnis für finanzielle Spielräume, Zwänge und Zielkonflikte der kommunalen Selbstverwaltung.
Wichtig zu beachten ist dabei, dass es sich um ein vereinfachtes Modell und nicht um die Haushaltssystematik der Kämmerei handelt: sechs gerundete Stellschrauben, jede sofort mit voller Jahreswirkung gerechnet. Tatsächlich entfalten manche Maßnahmen ihre Wirkung erst über Jahre. Was diese Rechnung dabei nicht abbildet: Steigt die Steuerkraft, steigt zeitversetzt die Kreis- und Schulumlage – ein Teil der Mehreinnahmen fließt wieder ab. Personalabbau über natürliche Fluktuation wirkt erst über Jahre, nicht im nächsten Haushalt. Mehrere Hebel gleichzeitig zu ziehen, ist politisch deutlich schwerer, als es in dem Tool aussieht. Die Zahlen stammen dabei aus dem Haushaltssicherungskonzept 2026–2029. Verbindlich sind allein die von den städtischen Gremien beschlossenen Dokumente.
Darüber hinaus schlägt das Portal mit der Funktion „Ideen für Hofheims Finanzen“ eine direkte Brücke zur aktiven Bürgerbeteiligung. Über dieses Partizipationswerkzeug können Einwohnerinnen und Einwohner eigene Vorschläge, Anregungen oder Einsparpotenziale zur städtischen Finanz- und Haushaltsplanung einreichen. Ob Ideen für zukunftsweisende Investitionen in die Infrastruktur, Anregungen zum Bürokratieabbau oder Vorschläge für eine effizientere Mittelverwendung im Stadtgebiet: Die Beiträge werden gesammelt und fließen als wertvolle Impulse aus der Bürgerschaft direkt in die Beratungen der Verwaltung ein. So wird der interaktive Haushalt von einer reinen Informationsplattform zu einem lebendigen Dialogwerkzeug für die Mitgestaltung der Kommunalpolitik. Die Befragung soll von 1. bis 31. November 2026 stattfinden und Rückmeldung zu den einzelnen Ideen gibt es im Laufe des ersten Quartals 2027.