Sehen, verstehen, mitgestalten: Bürgerbeteiligung zum Haushalt startet am 1. November
„Ob Ideen für zukunftsweisende Investitionen in die Infrastruktur, Anregungen zum Bürokratieabbau oder Vorschläge für eine effizientere Mittelverwendung im Stadtgebiet: Die Beiträge werden gesammelt und fließen als wertvolle Impulse aus der Bürgerschaft direkt in die Beratungen der Verwaltung ein“, erklärt Bürgermeister und Kämmerer Wilhelm Schultze. So wird der interaktive Haushalt von einer reinen Informationsplattform zu einem lebendigen Dialogwerkzeug für die Mitgestaltung der Kommunalpolitik. Die Befragung läuft von 1. bis 31. November 2026 auf auf www.hofheims-haushalt.de/vorschlaege und Rückmeldung zu den einzelnen Ideen gibt es im Laufe des ersten Quartals 2027.
Rückblick: Hofheimer Finanzen sind bei vielen Bürgerinnen und Bürgern verständlicherweise das Thema Nummer eins, wenn sie an ihre Stadt denken. Die komplizierten Zusammenhänge des Haushalts, der Schulden und der Steuererhöhungen verständlich zu erklären, bleibt eine der größten Herausforderungen für die Stadtverwaltung. Die Stadt hat deshalb in Zusammenarbeit mit den Hofheimer Unternehmern Konstantin Knapp und Fabian Sprey, die sich unentgeltlich eingebracht haben, Ideen entwickelt, wie diese Herausforderung zu meistern ist. Knapp hat Gearparts gegründet und über 20 Jahre geführt, ein Unternehmen, das im Hofheimer Innovationszentrum der Stadt seinen Anfang nahm. Heute ist er dort Gesellschafter und Mitglied des Beirats. Sprey ist mit seiner GrainLab Medienproduktion ein kreativer Partner für professionelle Bewegtbildproduktion.
Bei der Zusammenarbeit zwischen Stadt und den Unternehmern herausgekommen sind eine interaktive Plattform (Dashboard) Hofheimer Haushalt – Transparenz & Bürgerideen zur Bürgerbeteiligung, auf der die Bürgerinnen und Bürger auch selbst in die Rolle des Kämmerers schlüpfen können, und der Kurzfilm Sehen, verstehen, mitgestalten: Bürgerinnen und Bürger werden selbst Kämmerer - YouTube mit anschaulichen Grafiken zur Erklärung der Finanzlage.
Im Zentrum der Plattform steht die visuelle Aufbereitung sämtlicher Erträge, Aufwendungen, Investitionen sowie die Entwicklung der Liquidität der Stadt. Über interaktive Grafiken und Diagramme können Nutzerinnen und Nutzer auf einen Blick erfassen, wie sich das städtische Budget zusammensetzt und an welchen Stellen Mittel eingesetzt werden. Neben dieser klassischen Datenansicht bietet die Plattform zwei innovative und spezialisierte Funktionen, die den Haushalt auf lebensnahe und spielerische Weise erfahrbar machen:
Über das Tool „Wohin geht mein Euro?“ können Bürgerinnen und Bürger leicht nachvollziehen wie sich 100 Euro Steuergeld auf die einzelnen städtischen Leistungen verteilen. Auf diese Weise wird auf einen Blick sichtbar, welcher Anteil der Steuereinnahmen in die Kinderbetreuung, für die Kreis- uns Schulumlage, die Feuerwehr, den Straßenbau oder in kulturelle Angebote fließen.
Mit dem interaktiven Simulationstool „Sie sind Kämmerer“ schlüpfen Nutzerinnen und Nutzer selbst in die Rolle des städtischen Finanzdezernenten. Das Werkzeug veranschaulicht die komplexen Stellschrauben der kommunalen Haushaltspolitik und lädt zum Experimentieren ein. Anwender können eigene Szenarien durchspielen, indem sie Erträge oder Aufwendungen fiktiv anpassen – etwa durch das Verändern von Hebesätzen bei Grund- oder Gewerbesteuern oder durch Erhöhungen und Kürzungen in einzelnen Aufgabenfeldern. Die Anwendung berechnet in Echtzeit, wie sich diese Entscheidungen auf das Gesamtergebnis, das Haushaltsdefizit oder Rücklagen auswirken. Dadurch vermittelt das Tool ein fundiertes Verständnis für finanzielle Spielräume, Zwänge und Zielkonflikte der kommunalen Selbstverwaltung.
Wichtig zu beachten ist dabei, dass es sich um ein vereinfachtes Modell und nicht um die Haushaltssystematik der Kämmerei handelt: sechs gerundete Stellschrauben, jede sofort mit voller Jahreswirkung gerechnet. Tatsächlich entfalten manche Maßnahmen ihre Wirkung erst über Jahre. Was diese Rechnung dabei nicht abbildet: Steigt die Steuerkraft, steigt zeitversetzt die Kreis- und Schulumlage – ein Teil der Mehreinnahmen fließt wieder ab. Personalabbau über natürliche Fluktuation wirkt erst über Jahre, nicht im nächsten Haushalt. Mehrere Hebel gleichzeitig zu ziehen, ist politisch deutlich schwerer, als es in dem Tool aussieht. Die Zahlen stammen dabei aus dem Haushaltssicherungskonzept 2026–2029. Verbindlich sind allein die von den städtischen Gremien beschlossenen Dokumente.