Sprungmarken
Sie befinden sich hier
Startseite
Wirtschaft
Businessnews
Businessnews

Kapellenberg Hofheim: Pompeji der Steinzeit nun zu Fuß entdecken

Auf dem Kapellenberg in Hofheim wartet ab sofort eine besondere Attraktion auf Besucherinnen und Besucher: Der Archäologische Rundweg, der sich mit der bewegten Geschichte des Bergs beschäftigt, ist nun bereit begangen zu werden.

Die Spuren der Besiedlung reichen bis in die Jungsteinzeit zurück. Ein Höhepunkt ist die 6000 Jahre alte Wallanlage aus der Zeit der Michelsberger Kultur, die noch deutlich zu erkennen ist. Der Rundweg mit seinen Informationstafeln liefert nun Interessierten viele Hintergründe zum Kapellenberg in den verschiedenen Epochen. Auf einer Länge von etwa vier Kilometern sind von Start bis Ziel etwa 300 Höhenmeter zu bewältigen. Unter Einberechnung von Lesezeit für Tafel und Stelen sollten sich Interessierte zwei Stunden für die Begehung Zeit nehmen. Als Pausenort bietet sich die Waldgaststätte Meisterturm an. Startpunkt des Wegs ist am Aufgang zum Meisterturm, abzweigend vom Kreuzweg.  

„Wir sind in Hofheim in der glücklichen Lage, direkt auf unserem Hausberg einen der größten archäologischen Schätze der Region zu haben. Deshalb wollten wir helfen, diesen Schatz so vielen Menschen wie möglich zugänglich zu machen. Ich denke, mit dem Archäologischen Rundweg ist uns dies geglückt und der Kapellenberg hat als Ausflugsziel eine spannende Attraktion hinzugewonnen“, sagt Bürgermeister Christian Vogt.

"Der Kapellenberg ist nicht nur für das Rhein-Main-Gebiet eine einzigartige archäologische Fundstätte, seine wissenschaftliche Bedeutung reicht weit darüber hinaus. Das zeigen schon die europäischen Verbindungen, die dort nachweisbar sind. Der Großgrabhügel verweist in die Bretagne, das Jadebeil in den westalpinen Raum. Auch ist die Erhaltung der Wälle für eine Anlage dieses Alters in ganz Europa einzigartig. Es ist und bleibt ein wahres Pompeji der Steinzeit. Mit dem Rundweg wollen wir die Öffentlichkeit über die wesentlichen Erkenntnisse des Projektes informieren. Wir sind sicher, dass die Bürgerinnen und Bürger den Wert dieses einzigartigen Denkmales nun noch mehr würdigen werden“, ergänzt der Archäologe und Projektleiter Professor Detlef Gronenborn (RGZM).

Auf Grundlage dieser Forschung entstand die Idee, die Erkenntnisse dauerhaft vor Ort durch einen archäologischen Rundweg erfahrbar zu machen. Die Stiftung Flughafen Frankfurt am Main erklärte sich dankenswerterweise bereit, das Projekt mit 13.340 Euro zu unterstützten. Bei der Konzeption wurde der ehemalige historische Rundwanderweg, den vor vielen Jahren der Heimatforscher Rolf Kubon entworfen hatte, integriert. Gemeinsam mit Mitarbeitern des Stadtarchivs, des Tourismusbüros der Stadt Hofheim, Vertretern des ehemaligen Geschichts- und Altertumsverein und Professor Gronenborn vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM) wurde das Projekt geplant und die Wegeführung entwickelt. Das Design entspricht der Gestaltung der Routen des Kooperationspartners Regionalpark RheinMain und der Rundweg wird an dessen Routennetz angeschlossen.

Während der Ausarbeitung des Rundwegs gab es weitere Ausgrabungen auf dem Kapellenberg, die neue Erkenntnisse lieferten. Diese fanden ebenfalls Platz auf den Tafeln des Wegs, welche die Grafikabteilung des RGZM unter Berücksichtigung der Vorgaben des Regionalparks gestaltete. Auch das Design der Stelen, Wegweiser sowie das Logo des Archäologischen Rundwegs stammen aus der Feder von RGZM-Grafiker Michael Ober. Das Logo des Rundwegs stellt den sogenannten Tulpenbecher dar. Dieser ist ein Fund des Heimatforscher Rolf Kubon vom Kapellenberg. Der Becher datiert zurück auf die Zeit um 3700 vor Christi. Eine virtuelle Rekonstruktion des Kapellenbergs erstellt durch die Architektur Vitalis GmbH, einem Kooperationspartner der TU Darmstadt, runden den Weg ab. Druck und Aufbau der Schilder erfolgte durch die Firma GWE aus Eppstein.

Der Kapellenberg ist eines der interessantesten und ältesten noch sichtbaren archäologischen Denkmäler im Rhein-Main-Gebiet. Vor 6000 Jahren war die Region Drehscheibe eines europäischen Handelsnetzwerkes zwischen Mitteldeutschland und Frankreich. Es entstanden gewaltige Ansiedlungen wie Schierstein, Glaubberg in der Wetterau und der Kapellenberg bei Hofheim. Einzig jedoch die befestigte Siedlung auf dem Kapellenberg in Hofheim ist noch hervorragend erhalten, da die Erhebung in späterer Zeit nie mehr landwirtschaftlich genutzt oder überbaut wurde. An vielen Stellen ist die 6000 Jahre alte Wallanlage noch deutlich zu sehen, deren Innenfläche ausschließlich forstwirtschaftlich genutzt wird. Seit 2008 untersucht das Römisch-Germanische Zentralmuseum, Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie in Mainz (RGZM), in Zusammenarbeit mit der Johannes Gutenberg-Universität und der hessenARCHÄOLOGIE in einem langfristig angelegten Forschungsverfahren den Hofheimer Kapellenberg. Die Stadt Hofheim unterstützt seither die Grabungen an dieser einzigartigen archäologischen Fundstätte.

 

Foto: von links Prof. Dr. Detlef Gronenborn, Stadtverordnetenvorsteher Andreas Hegeler, Bürgermeister Christian Vogt und die Geschäftsführerin der Stiftung Flughafen Jutta Nothacker beim feierlichen Durchschneiden des roten Bandes unter Corona-Bedingungen zur Eröffnung des Archäologischen Rundwegs am Kapellenberg in Hofheim.

 

Das RGZM informiert über den Fortlauf der Untersuchungen unter:  www.rgzm.de/kapellenberg

Suche

Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass diese Seite Cookies verwendet.

Mehr Infos