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Biografie der Familie Josef Kahn, Hintergasse 22

Biografie der Familie Josef Kahn, Hintergasse 22

Hintergasse 22

Biografie - Familie Josef Kahn

Josef Kahn (geb. 2.10.1872, gest. 9.6.1948) wurde als Sohn von Elieser Kahn und Bettchen, geb. Guttmann in Diedenbergen geboren und gehörte damit zu einer der ältesten jüdischen Familien des Ortes. Da sich sein älterer Bruder Louis in Marxheim selbständig machte, übernahm Josef Kahn den ererbten Familiensitz und die darin befindliche Metzgerei von seinem Vater. Zeitzeugen erinnerten sich, dass er „der Metzger“ des Ortes war, zu dem besonders die Kinder gern zum Einkaufen geschickt wurden, weil sie immer ein großes Stück Fleischwurst geschenkt bekamen. Mit seiner aus Pfiffligheim bei Worms stammenden Frau


Rosa Kahn, geb. Kahn (geb. 12.12.1874, gest. 24.8.1953) hatte er eine Tochter. Amalie Kahn, genannt Milli, kam am 9. April 1900 in Diedenbergen zur Welt. Sie heiratete später Max Kahn (geb. 3.9.1898) aus Frankfurt, der in ihr Elternhaus einzog. Die Familie nahm außerdem auch mehrfach Pflegekinder in ihrem Hause auf. Josef Kahn war Mitglied der SPD – so meldete es zumindest der Bürgermeister von Diedenbergen im November 1933 weisungsgemäß an den Landrat – und so mag auch seine politische Einstellung dazu beigetragen haben, dass sich das Ehepaar zur Auswanderung entschloss. Angesichts der nationalsozialistischen Boykottmaßnahmen war es kaum möglich mit der Metzgerei den Lebensunterhalt zu bestreiten. Im Januar 1936 verkauften sie schweren Herzens den angestammten Familienbesitz, der nach dem Willen der Vorfahren für immer in der Familie hätte bleiben sollen. Ein knappes Jahr später am 20. Januar 1937 meldeten sie sich aus Diedenbergen nach New York ab. Ihre Tochter Amalie war mit ihrem Ehemann bereits am 16. September 1935 nach New York ausgewandert.

Ludwig Kantor (geb. 7.6.1901 oder 3.8.1901) wurde in Wilna (Vilnius) im damaligen zaristischen Russland geboren. Kurz nach seiner Geburt wanderten seine Eltern wie viele ihrer Glaubensgenossen angesichts der drückenden Lebensumstände für Juden im Zarenreich nach Deutschland aus. Doch sie verstarben bald darauf und ließen ihren Sohn als Vollwaise zurück. Er wurde zunächst in einem Waisenhaus in Frankfurt untergebracht, bis er mit 11 Jahren als Pflegekind zu Josef Kahn nach Diedenbergen kam. Er besuchte dort die Volksschule und absolvierte dann eine Metzgerlehre. Im Februar 1936, kurz nachdem seine Pflegeeltern Haus und Betrieb verkauft hatten, zog er nach Okriftel und verdiente seinen Lebensunterhalt mit einer Autovermietung während er seine Auswanderung vorantrieb. Im Dezember desselben Jahres reiste er mit einem Besuchervisum in die USA. Als das Visum ablief, war er gezwungen erneut auszureisen und wich nach Cuba aus. Über ein halbes Jahr später am 28. August 1937 konnte er schließlich endgültig in die Vereinigten Staaten einwandern. Dort traf er Selma David (geb. 21.1.1914) wieder, die bis Oktober 1936 in Okriftel in der Metzgerei ihrer Tante gearbeitet hatte. 1938 wurden die beiden von einem Rabbiner getraut. Sie bekamen zwei Kinder. Ludwig Kantor wurde 86 Jahre alt.

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