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Biografien - Herr Schwarz

Biografien - Herr Schwarz

Burgstraße 6a (ehemals Burgstraße 8) 

Biografie - FERDINAND SCHWARZ

JG. 1920 
UNFREIWILLIG VERZOGEN 
1938 FRANKFURT 
DEPORTIERT 1942 
MAJDANEK 
ERMORDET

 

Schwarz, Ferdinand (geb. am 27.5.1920, gest. 1942) wurde in Merenberg, Kreis Oberlahn geboren. In der Einwohnermeldekartei ist sein Zuzug am 8.9.1936 von Frankfurt (Dominikanerplatz) nach Hofheim am Taunus eingetragen. 
Unterkunft erhielt er bei der Familie Oppenheimer in der Burgstraße 8, die eine Pension mit Vollverpflegung betrieb. Ferdinand Schwarz hatte eine Ausbildung zum Schneider begonnen. Als Jude konnte er seine Lehre nur in einem jüdischen Betrieb aufnehmen. Einträge in den entsprechenden Meldekarteien lassen den Schluss zu, dass der Ausbildungsbetrieb die Maßschneiderei Allmeier in der Neugasse 43 war. Am 28.7.1938 meldete sich Ferdinand Schwarz nach Frankfurt, Obermainanlage 16 ab. Einen Tag später erfolgte die Abmeldung (29.7.1938) von Eduard Allmeier und seiner Familie, ebenfalls in die Obermainanlage 16. Schneidermeister Eduard Allmeier hatte bereits 1925 seine Schneiderei an den Sohn Siegfried abgegeben; aus dem Geschäft zog er sich jedoch nicht ganz zurück. Gemeinsam versuchten sie in Frankfurt ihr Geschäft wieder aufzubauen. Es ist zu vermuten, dass Ferdinand Schwarz hier seine Lehre fortsetzten wollte. Kurz nach dem Novemberpogrom 1938 wurde Eduard Allmeier jedoch inhaftiert und war bis Januar 1939 im Konzentrationslager Dachau. Im gleichen Jahr gelang ihm die Flucht mit seiner Frau nach Palästina. Sein Sohn Siegfried Allmeier erlitt das gleiche Schicksal, wurde jedoch 1939 zusätzlich zur Zwangsarbeit verpflichtet. Ferdinand Schwarz hatte somit keine Möglichkeiten seine Lehre zu beenden. Wie es ihm bis zur Deportation erging, konnte nicht mehr rekonstruiert werden. 1942 wurde er nach Majdanek verschleppt und kam dort zu Tode. Siegfried Allmeier wurde ebenfalls 1942 deportiert und soll ebenfalls in Majdanek ermordet worden sein. Ob beide sich auf demselben Transport befanden oder sich in dem Vernichtungslager wieder trafen, ist nicht mehr feststellbar. 

Um einen Eindruck zu vermitteln, wie es Ferdinand Schwarz in Hofheim ergangen sein könnte, wird an dieser Stelle ein Bericht von Herbert Frankenhuis, Niederländer und ebenfalls 1920 geboren, Lehrling im Kaufhaus Schiff in Höchst, wiedergegeben. 1936 beschwerte er sich bei seinem Konsul über mehrfache Belästigungen durch Hofheimer Jugendliche. Er wohnte kurz in der Pension Oppenheimer, anschließend privat bei Familie Lipmann in der Kurhausstraße (Aug. 1937 Rückkehr in die Niederlande). 

„Am Freitag, den 11.12.1936 bin ich wieder um 17.45 in Hofheim angekommen und durch die Mühlgasse gegangen. Am Bahnhof befanden sich einige Jungen, die gleich hinter mir hergingen. Unweit des Bahnhofs (bei der Apotheke) kamen noch 3 Jungen mit Fahrrädern hinzu, die andauernd um mich herumfuhren und mir nachfolgten. An der Ecke Mühlgasse standen noch einige Jungens, die sich den übrigen anschlossen. Als ich in die Nähe der Abzweigung der Mühlgasse kam, hat einer meiner Begleiter durch die Finger gepfiffen, worauf ein Junge aus der Abzweigung heraussprang und mir mit der Faust einen Schlag auf die Nase versetzte. Ich habe lediglich das Wort „Idiot“ gesagt und bin weitergegangen. Die ganze Horde lief mir nun nach und warf noch mit Steinen, als ich das Haus Lipmann betrat. Getroffen bin ich aber nicht worden. Zur Polizei bin ich nicht gegangen, weil ich mich gefürchtet habe, aus dem Haus zu gehen…“

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