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Biografien - Familie Kahn

Biografien - Familie Kahn

Lorsbacher Straße 36 

Biografien - Familie Kahn  

Karl Kahn (geb. 9.12.1895, gest. 20.5.1938) kam in Diedenbergen zur Welt. In Höchst heiratete er 1927 Antoinette Späthe und ein Jahr später wurde dort auch ihr gemeinsamer Sohn Kurt Erich geboren. Karl Kahn war sportbegeistert, gehörte der ‚Eintracht Frankfurt’ an und wurde nach dem Umzug nach Hofheim Mitglied des Hofheimer Fußballklubs. Den Lebensunterhalt der Familie verdiente er mit einer Futtermittelgroßhandlung. Nach 1933 ging sein Geschäft infolge der Boykottmaßnahmen mehr und mehr zurück und kam schließlich vollständig zum Erliegen. Laut Zeitzeugenaussagen unmittelbar nach dem Krieg zog man ihn später auf Veranlassung des Ortsgruppenleiters zu Gleisbauarbeiten heran. Vermutlich 1937 wurde er von Hofheimer SA-Leuten verhaftet. Zunächst blieb er zwei Wochen vor Ort inhaftiert und wurde dann in die Gestapozentrale in Frankfurt am Main, Lindenstraße 27, gebracht. Er verblieb vermutlich mehrere Wochen in Gestapo-Haft. Nach seiner Entlassung und Rückkehr nach Hofheim wurde Karl Kahn weiterhin schikaniert und gequält. Sein Sohn erinnerte sich nach dem Krieg, wie der Vater in einem offenen Wagen der Hofheimer SA jeden Freitag öffentlich durch die Stadt gefahren wurde und ein Schild vor sich halten musste mit der Aufschrift „Hier fährt ein Jude“. Wenige Wochen später verhaftete man ihn erneut. Diesmal überführte man ihn aus der Gestapohaft in Frankfurt für 5 oder 6 Monate in das Konzentrationslager Dachau. Als Karl Kahn diesmal zu seiner Familie zurückkehrte war er ein schwerkranker Mann. Er musste sich sofort in stationäre Behandlung begeben. Bereits in der Nacht nach seiner Einlieferung ist er im Städtischen Marienkrankenhaus in Hofheim gestorben. In der mündlichen Überlieferung seines Geburtsortes Diedenbergen hält sich bis heute die Aussage, Karl Kahn habe nach all den Quälereien seinem Leben selbst ein Ende gesetzt. In amtlichen Unterlagen fand sich dafür keine Bestätigung. Sein Tod im Hofheimer Krankenhaus ist dagegen eindeutig bescheinigt.

Antoinette Else Kahn, geb. Späthe (geb. 16.4.1900, gest. 30.8.1965) wurde in Frankfurt am Main geboren. Sie entstammte keiner jüdischen Familie und war auch dem Bekenntnis nach katholisch, und galt also nach den rassistischen Kriterien der Nationalsozialisten als „Arierin“. Durch ihre Heirat mit Karl Kahn sollte sie jedoch ebenfalls zur Zielscheibe nationalsozialistischen Terrors werden. Nach den massiven Verfolgungen ihres Ehemannes und seiner Einlieferung in das Konzentrationslager Dachau 1938 wurde auf Antoinette Kahn Druck ausgeübt mit dem gemeinsamen Sohn Kurt Erich Hofheim zu verlassen. Wie ihr Sohn nach dem Krieg berichtete, wurde sie Anfang 1939 zum Ortsgruppenleiter der NSDAP vorgeladen, der sie aufforderte den Ort zu verlassen, da er die Stadt ‚judenrein’ machen wolle. Antoinette Späthe war herzleidend und musste Aufregungen nach Möglichkeit vermeiden. So blieb ihr nichts anderes übrig als dem Druck nachzugeben und mit ihrem Sohn wegzuziehen. Sie übersiedelten nach Höchst. Antoinette Kahn lebte dort bis zu ihrem Tod 1965. 

Kurt Erich Kahn (geb. 10.7.1928) besuchte ab 1934 in Hofheim die Volksschule und wechselte Ostern 1938 an die dortige Mittelschule. Trotz seines katholischen Bekenntnisses galt er als Jude, denn aufgrund der jüdischen Abstammung seines Vaters sah man ihn gemäß der rassistischen Definition der Nürnberger Gesetze als so genannten „Mischling ersten Grades“ an. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits der einzige „nichtarische“ Schüler an der Mittelschule. Nach dem Tod seines Vaters durch die Folgen der KZ-Haft wurde auch auf Kurt Erich Kahn verstärkt Druck ausgeübt. Bei einer Vorladung zum Schuldirektor erfuhr seine Mutter, dass man seine Anwesenheit in der Schule von Seiten der NSDAP für einen untragbaren Zustand halte. Der Rektor legte ihr nahe, den Sohn so bald wie möglich abzumelden. Mutter und Sohn zogen um nach Höchst, wo sich Kurt Erich Kahn um die Aufnahme in die Realschule bemühte, die ihm aber ebenfalls verweigert wurde. Ab dem Sommer 1939 besuchte er dann die Volksschule in Höchst. Nach seinem Schulabschluss konnte er aufgrund seiner „nichtarischen“ Abstammung keine Lehrstelle finden. Es blieb ihm nichts anderes als die Beschäftigung als Hilfsarbeiter bei den IG-Farben in Höchst. Als „Mischling ersten Grades“ war er von zahlreichen diskriminierenden Gesetzen betroffen, so erhielt er zum Beispiel bei Einführung der Lebensmittelkarten die für Juden vorgesehenen J-Karten, die wesentlich geringere Rationen vorsahen als die regulären Karten. Trotz der schwierigen Lebensumstände überlebte Kurt Erich Kahn Verfolgung und Krieg und wanderte 1951 in die USA aus.

Lorsbacher Straße 36
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