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Biografien - Familie Oppenheimer

Biografien - Familie Oppenheimer

Burgstraße 8

Biografie - Familie Oppenheimer

Adolf Oppenheimer (geb. 27.10.1871) zog aus seinem Geburtsort Hattersheim 1897 nach Hofheim. Dort betrieb er mit seiner Ehefrau Hermine Oppenheimer geb. Nachmann (geb. 17.5.1873) eine Metzgerei mit einer kleineren Gaststätte, einer so genannten Kostgeberei. Ihre drei Kinder Karl (geb. 29.5.1898), Hattel –
die als Kind verstarb – und Recha (geb. 9.12.1902) kamen alle in Hofheim zur Welt. Sie wuchsen in einem traditionell jüdischen gutbürgerlichen Haus auf. Sohn Karl lernte das Handwerk seines Vaters und arbeitete später gemeinsam mit seiner Ehefrau Hedwig im elterlichen Geschäft mit. Ab 1933 ging der Umsatz stark zurück, so dass zunächst nur die Metzgerei weiter betrieben wurde. Spätestens ab 1935 konnte nichts über die Spesen hinaus verdient werden und der Betrieb musste 1935 oder 1936 eingestellt werden. Das Haus der Oppenheimers wurde vermutlich rechtzeitig einem Verwandten von Hermine Oppenheimer überschrieben, der die amerikanische Staatsangehörigkeit besaß und daher nicht zum Verkauf gezwungen werden konnte. 1938 ist als Eigentümer der amerikanische Staatsbürger Alfred Nachmann angegeben. Bei den Ausschreitungen der Pogromnacht im November 1938 wurden bei Adolf Oppenheimer die Fensterscheiben eingeworfen. Trotz dieser Übergriffe und der schwierigen wirtschaftlichen Situation entschied sich die Familie, anders als viele Verfolgte, dafür in Hofheim zu bleiben. Nach Aussagen von Nachbarn unmittelbar nach dem Krieg bestritten die Oppenheimers ihren Lebensunterhalt indem sie in ihrem Haus Fremdenzimmer mit Vollpension vermieteten. Sie lebten bis zu ihrer Deportation in der Burgstraße 8. Nachdem im Juni 1942 bei der ersten Deportation aus dem Main-Taunus-Kreis Karl und seine Ehefrau Hedwig Oppenheimer verschleppt worden waren, traf es am 28.8.1942 Adolf Oppenheimer und seine Frau Hermine. Der Transport von Frankfurt ging am 1.9.1942 in Richtung Theresienstadt ab. Von dort wurde das Ehepaar am 29.9.1942 in das Vernichtungslager Treblinka gebracht. Ihre Todesdaten wurden später auf den 8.5.1945 festgesetzt.

Karl David Oppenheimer (geb. 29.5.1898, gest. 12.8.1942), der älteste Sohn von Adolf und Hermine Oppenheimer, war seit 1931 verheiratet mit Hedwig Oppenheimer geb. Frank (geb. 9.4.1902). Beide lebten und arbeiteten im Familienbetrieb. Angesichts der zunehmenden Verfolgung planten sie 1938 die illegale Flucht über die Grenze nach Belgien. Karl Oppenheimers Schwester Recha hatte gemeinsam mit ihrem Ehemann die Kontakte geknüpft und die Flucht organisiert. Als der Fluchthelfer nicht pünktlich am verabredeten Treffpunkt eintraf schien Karl und Hedwig Oppenheimer das Risiko zu groß und sie beschlossen nach Hofheim zurückzukehren. Von dort wurden sie bei der ersten Deportation aus dem Main-Taunus-Kreis am 8.6.1942 „gen Osten“ verschleppt. Karl David Oppenheimer starb am 12. August 1942 in Majdanek. Seine Frau ist verschollen. Ihr Todesort und –datum sind unbekannt.

Recha Menasche geb. Oppenheimer (geb. 9.12.1902, gest. 25.3.1990) besuchte die Höhere Töchterschule in Hofheim. 1932 zog sie nach Gießen, aber vermutlich nur für kurze Zeit, denn nach ihrer eigenen Aussage erlebte sie den Niedergang des elterlichen Geschäftes mit. In der ersten Hälfte der 1930er Jahre zog sie allerdings nach Chemnitz, wo sie eine Stellung als Haushälterin und Erzieherin angenommen hatte. Im Januar 1938 heiratete sie dort Osias Menasche. Ihr Ehemann war Pole und musste daher im Sommer 1938 fürchten wie alle polnischen Juden über die Grenze abgeschoben zu werden. Daher beschloss das Ehepaar illegal über die Grenze nach Belgien zu fliehen. Recha Menasches Bruder Karl Oppenheimer und seine Frau Hedwig sollten die beiden begleiten, aber als die Fluchthelfer nicht pünktlich wie verabredet erschienen, kehrten Bruder und Schwägerin nach Hofheim zurück. Recha und Osias Menasche blieben zunächst in Antwerpen, mussten aber nach dem Einmarsch der deutschen Truppen 1940 weiter fliehen. Durch Frankreich über die Pyrenäen, durch Spanien und Portugal gelangten sie schließlich in die USA. Recha Menasche starb 1990 in New York.

Burgstraße 6a ehem. 8
Burgstraße 6a ehem. 8
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