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Im Dialog zur Vorplanung für das Neubaugebiet marxheimzwei: Die erste Phase der Bürgerbeteiligung bringt viele Ergebnisse

HOFHEIM Die erste Phase der Bürgerbeteiligung für das Neubaugebiet Marxheim II hat zahlreiche Ergebnisse gebracht. Im Anschluss an den „Markt der Ideen und Meinungen“ mit rund 400 Interessierten am 9. August hatten Bürgerinnen und Bürger noch zwei Monate Zeit, via Internet oder E-Mail oder Faltblatt ihre Anregungen für das geplante Neubaugebiet einzubringen.
Marxheim II Erste Phase Bürgerbeteiligung
Die Grafik zeigt: Auf welchen Wegen haben Bürgerinnen und Bürger in der ersten Beteiligungs-Phase ihre Anregungen zu Marxheim II übermittelt.© Stadt Hofheim
Damit die verschiedenen Blickwinkel, die Interessenslagen und fachlichen Aspekte den passenden Rahmen finden, lösungsorientiert diskutiert und in planerische Ansätze übersetzt werden, hat die Stadt Hofheim die Arbeitsgemeinschaft „tobe.STADT“ und „KOKONSULT“, beide aus Frankfurt am Main, mit der Erstellung eines Rahmenplans beauftragt.

„Wir haben uns bewusst für diese unabhängigen Büros entschieden, da sie – im Gegensatz zu einem Projektentwickler – keine eigenen Interessen mit Marxheim II verfolgen“, so Bürgermeisterin Gisela Stang. Der Stadt geht es in erster Linie darum, neuen Wohnraum zu schaffen. Doch die Herausforderung liegt darin, diesen für alle Beteiligten bedarfsgerecht zu strukturieren und zu planen.

„tobe.STADT“ und „KOKONSULT“ haben die Beiträge der Bürgerinnen und Bürger zwischenzeitlich ausgewertet und als Ergebnis formuliert. Die gesammelten, teilweise auch kontroversen Perspektiven reichen von den Eigentümerinnen und Eigentümern über die Nachbarn bis hin zu Interessenten und auch kritischen Stimmen gegenüber dem Neubaugebiet.

„Am Römerkastell“, „An der Steinernen Straße“, „Kastellvici“, „Römerstadt“ oder „Elisenhöhe“ – auf der Suche für einen Namen des Neubaugebietes Marxheim II hatten die beteiligten Bürgerinnen und Bürger schon Ideen. Doch im Vordergrund der Bürgerbeteiligung standen in der ersten Phase nicht die Namensfindung des Neubaugebietes, sondern die Grundlagen für einen Rahmenplan des Baugebietes.

Die erste Informationsveranstaltung „Markt der Ideen und Meinungen“ am 9. August 2018, eine anschließende Online-Beteiligungsphase und die Möglichkeit, sich analog per Postkarte zu beteiligen, erbrachten bis Anfang September knapp 400 Beiträge.
Die eingegangenen Fragen, Ideen und Hinweise aus der Öffentlichkeit ergaben ein breites Themenspektrum und fließen in die weitere Gestaltung des politischen und fachlichen Prozesses ein.
Von Eigentum, Landwirtschaft über Freizeitangebote bis hin zu Mobilität – die diskutierten Themen zeigen, dass die Planung eines Neubaugebietes allumfassend durchdacht werden muss. Dabei spielt die Art und Weise, wie das Neubaugebiet realisiert werden soll eine entscheidende Rolle. Wer baut? Wie wird gebaut? Wann wird gebaut?
Die fast 400 gesammelten Beiträge formen dann einen strategischen Prozess- und Rahmenplan für die zukünftigen Flächennutzungen.

Das ländliche Gefüge ist das Charakteristikum des Dorfbildes eingebettet im Rhein-Main- Gebiet, weshalb sich auch viele Beiträge mit den Themen Freiflächen und Landwirtschaft beschäftigen.

In einem attraktiven und lebenswerten Neubaugebiet spielen Freiräume eine wesentliche Rolle. So fällt der Wunsch nach einem „grünen Quartier“, welches existierende Freiraumqualitäten (unter anderem Kleingartenanlagen, Streuobstwiesen mit Baumbestand, Zugang zu Wiesen und Feldern) berücksichtigt und neue lebenswerte Freiräume schafft. Die Versiegelung hochwertiger landwirtschaftlicher Flächen wird kritisch diskutiert und dem Schutz von Streuobstwiesen beziehungsweise Flächen mit Baumbestand ein hoher Stellenwert verliehen.
Damit einher geht die Frage nach Ersatzflächen mit vergleichbarer Bodenqualität oder nach Ausgleichsmodellen.

Die Beiträge umfassen zudem grundlegende Fragen, Ideen und Meinungen zum Thema Eigentum der Grundstücke. Hierzu wurden Ideen angeregt, Tauschmöglichkeiten für Grundstücke anzubieten oder ein Flächenankauf durch die Stadt diskutiert.

Die Verknüpfung des neuen Stadtteils mit Alt-Marxheim und der Landschaft stellt einen weiteren wichtigen Punkt dar. Das neue Gebiet solle sich „einfügen“, vor allem mit Blick auf eine aufgelockerte Baustruktur mit vielseitiger, ansprechender Architektur (kein monotones Neubauquartier aus einer Hand) und reduzierte Gebäudehöhen. „Hochhäuser“ (ab sechs Geschosse) gelte es zu vermeiden und Blickbeziehungen in die landschaftlich geprägte Umgebung zu ermöglichen.

Weitere wichtige Punkte für das neue Plangebiet sind auch die Bauweise und Wohnform. Eine klimaneutrale Bauweise könnte dem Quartier einen eigenen Charakter geben und es in Bezug zur Landschaft setzen. Einige sehen Vorteile, das geplante Baugebiet als gemischtes Quartier zu entwickeln. Ein breites (Wohn-)Angebot für alle Generationen und Einkommen sorgt für Diversität und eine durchmischte, auflockernde Struktur im Gegensatz zu einer Monostruktur als simple Erweiterung des bestehenden Einfamilienhausgebiets.
Klassische Einfamilienhäuser für Familien über Mehrfamilienhäuser mit großen und kleineren Wohnungen, vor allem auch für Einpersonenhaushalte bis hin zu neuen Wohnformen, die ein Miteinander der Generationen fördern (z.B. Mehrgenerationenwohnen, Wohnprojekte, Senioren WGs, Seniorenwohnheime).

Ein zeitgemäßes Quartier mit Vorbildcharakter soll entstehen, das eine Bandbreite an verschiedenen Wohnkonzepten bereithält. Unterschiedliche Wohnkonzepte sprechen diverse Menschen an – so muss auch an ausreichend Schul- und Kindergartenkapazitäten gedacht werden, um die Attraktivität für Familien zu steigern.

Das Freizeitangebot sollte Jung und Alt adressieren – Spielplätze und ein zentraler, lebendiger Platz mit ausreichend Sitzmöglichkeiten. Auch Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren benötigen ein attraktives Angebot, um sich treffen, bewegen oder Sport treiben zu können.

Weitere Stichworte sind hier „behindertengerecht“ und „barrierearm“ sowohl beim Wohnraum selbst als auch im öffentlichen Raum (abgesenkte Bordsteine etc.).

Neben Bauweise und Wohnform spielen auch die finanziellen Begebenheiten des Wohnens eine Rolle – Stichwort „bezahlbares“ Wohnen. Sowohl geförderter Wohnungsbau als auch freifinanzierte Lösungen sollen zusätzlich jungen und mittelständischen Familien den Erwerb von Wohneigentum möglich machen.

Das Thema Verkehr und Mobilität ist nicht außer Acht geblieben. Die Sorge vor stark wachsendem Verkehr, unter anderem auf der Rheingaustraße, dominiert. Die Verkehrs-, Lärm- und Feinstaubbelastung wird bereits heute als sehr störend empfunden. Gefragt wird nach intelligenten und attraktiven Mobilitätslösungen im Sinne eines ganzheitlich durchdachten Verkehrskonzeptes, das nicht nur auf das private Auto setzt. Alternative Mobilitätskonzepte wie E-Mobilität, Car-Sharing oder auch Fahrradkonzepte werden als Hinweise eingebracht. Eine „Koexistenz" von Fußgängern, Fahrrädern und Autos im Sinne eines Quartiers der kurzen Wege sei maßgeblich für das Wohlbefinden (Vorbild Freiburg - Vauban).
Im Zuge des öffentlichen Verkehrs sollte der direkte Anschluss an die Innenstadt verbessert werden, beispielsweise durch eine zweite Bahnüberquerung bzw. -unterführung, vor allem für Fußgänger und Fahrradfahrer. Auch für den ruhenden Verkehr werden Lösungen gefordert, beispielsweise durch Tiefgaragen oder dezentrale Parkhäuser als Quartiersgaragen.

Mit Blick auf die existierende technische Infrastruktur (Kanalisation, Wasser, Abwasser) werden Nachteile durch Überlastung (vor allem bei Starkregen) und zusätzliche Kosten für die Anrainer befürchtet. Ein intelligentes Regenwassermanagement mit ausreichend Versickerungsflächen und möglichst geringer Bodenversiegelung im neuen Quartier müsse mitgedacht werden.

Der zu erwartende Bevölkerungszuwachs wird in vielerlei Hinsicht als Chance begriffen. Die jetzigen Bewohnerinnen und Bewohner könnten durch neue Angebote profitieren, die im Zuge des Baugebiets entstehen und fußläufig gut aus Alt-Marxheim erreichbar sein sollen.

Hier werden vor allem Orte des täglichen Bedarfs wie Einkaufsmöglichkeiten, Supermarkt, Friseur, Postfiliale und Ärztehäuser sowie Orte, die zum Verweilen einladen und den Stadtteil attraktiver machen genannt. Restaurants, Cafés, Biergärten, Eisdiele, Treffpunkte und Begegnungsstätten die das soziale Miteinander aller Generationen im Quartier fördern wie z.B. eine Bücherei oder Räume für Vereine.

Den positiven Aspekten und Ideenvorschlägen, die die Möglichkeiten des Bauvorhabens in den Vordergrund stellen, stehen auch kritische Anregungen gegenüber. Kritiker verweisen auf Leerstände und Möglichkeiten im Bestand, die zuerst bebaut werden sollten. Zudem seien die zu erwartenden Verkehrsprobleme und die vorhandenen Natur- und Bodenqualitäten Argumente gegen eine weitere bauliche Entwicklung der Siedlungsfläche.

Es wurde hierfür diskutiert, ob Vorkaufsrechte für Hofheimerinnen und Hofheimer die Akzeptanz des neuen Quartiers bei der hiesigen Bevölkerung steigern können.
Die Bebauungsstruktur steht keineswegs fest. Der „Markt der Ideen und Meinungen“ bildete lediglich den Einstieg in die Erarbeitung der ersten Entwürfe, auch wenn die Sorge geäußert wurde, dass relevante Entscheidungen dazu hinter geschlossener Türe getroffen werden.

Neben dem Quartier betreffende Themen äußerten sich auch einige zur Beteiligung selbst – wichtig sei die Stellungnahme und Einbeziehung der Perspektiven der jüngeren Generation, der Eigentümer und Landwirte. Ein Ideenworkshop - „Wie stellt ihr euch ein attraktives Quartier vor?“ soll explizit Schülerinnen und Schüler ansprechen. Auch sei der Blick von Interessenten nicht weniger wichtig.
Es wurde der Vorschlag eingebracht, gelungene Neubauplanungen in der Umgebung zu erleben, bspw. durch eine Busfahrt (Best-Practice-Tour / auch zu negativen Beispielen).

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