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Stadtmuseum erhält Werke von Friedel Schulz-Dehnhardt als Schenkung

HOFHEIM Bürgermeisterin Gisela Stang und Eva Scheid, Leiterin des Stadtmuseums, freuen sich erneut über einen reichhaltigen Zuwachs an Werken für das Stadtmuseum, den sie am Montag der Öffentlichkeit vorstellten.
Scheid, Stang und Niepel mit Werk von Friedel Schulz-Dehnhardt
Museumsleiterin Eva Scheid, Bürgermeisterin Gisela Stang und Hildegard A. Niepel (von links) mit einem Werk von Friedel Schulz-Dehnhardt© Stadt Hofheim
Hildegard A. Niepel, seit über 30 Jahren mit Hofheim verbunden, hat der Stadt im vergangenen Jahr rund 600 Werke des Malers Günter Schulz-Ihlefeldt übereignet. Nun erhält das Museum Werke aus dem Nachlass von Friedel Schulz-Dehnhardt. Exakt sind es 395 Positionen in 264 Werknummern.

Mit einem sehr aussagefähigen Bestand an Werken kann nun das Museum das künstlerische Andenken an Friedel Schulz-Dehnhardt sowie Günter Schulz-Ihlefeldt, die eine wichtige Zeit ihres Lebens in Hofheim verbrachten, durch weitere Präsentationen und dem Vorhalten eines Bestandes pflegen und in Erinnerung halten.


Zum Leben Friedel Schulz-Dehnhardts

Friedel Schulz-Dehnhardt (gebräuchliche Abkürzung FSD) gehörte zu jenen Menschen, die das zu Ende gehende 20. Jahrhundert in aller Intensität miterlebt haben: zwei Weltkriege, umwälzende Ereignisse in Politik und Wirtschaft sowie gravierende Veränderungen in der bildenden Kunst.

1909 in Tann/Rhön geboren, kristallisiert sich bereits in jungen Jahren heraus, dass ihr Lebensweg von der Kunst und hier besonders von der Malerei geprägt sein wird. Ihr Kunstunterricht beginnt im Pädagogischen Seminar Mülhausen und endet bei Ida Kerkovius in deren Stuttgarter Atelier sowie im „Blauen Haus“ in Hofheim.
Nach Tann/Rhön und Fulda lebt FSD zunächst in Frankfurt am Main, wo sie zusammen mit der Fotokünstlerin Marta Hoepffner dem dortigen Künstlerkreis angehört und erste Ausstellungen macht. Sie lernt den Maler Günter Schulz-Ihlefeldt kennen, der im Städel in seinem Meisteratelier unterrichtet. Die beiden heiraten 1942, als Günter Schulz-Ihlefeldt aus Russland auf Kriegsurlaub nach Frankfurt kommt. 1943 ausgebombt, zieht FSD nach Hofheim, wo sie bis zu ihrem Tod 2011 lebt und arbeitet.

Nicht unerwähnt bleiben darf, dass Friedel Schulz-Dehnhardt mehr als 40 Jahre den künstlerischen Nachlass von Günter Schulz-Ihlefeldt betreut hat. Ihr erst 54-jähriger Ehemann verstarb 1966 plötzlich an einer Embolie. Die Trauer um seinen Tod zeigt sich auch in den Arbeiten von Friedel Schulz-Dehnhardt, doch sie findet zu ihrer Farbenfreudigkeit und dem unermüdlichen Experimentieren zurück.



Es ist Hanna Bekker vom Rath, die starken Einfluss auf den künstlerischen Werdegang von Friedel Schulz-Dehnhardt nimmt. Im sog. „Blauen Haus“ der Malerin, Kunstsammlerin und Mäzenin gehen bedeutende Künstler ein und aus: Karl Schmidt-Rottluff, Ida Kerkovius, Willi Baumeister, Erich Heckel, Ludwig Meidner, E.W. Nay, Hans Purrmann, Siegfried Shalom Sebba. Die Begegnung mit diesen Malern und vielen anderen Künstlern beeinflussen, wenn auch indirekt, FSD`s eigenes Schaffen.
1954 errichten Hanna Bekker vom Rath und FSD im Garten des „Blauen Hauses“ ein neues Gebäude, in dem neben einer Wohnung und Atelier für FSD auch ein großes Atelier für Karl Schmidt-Rottluff zur Verfügung steht, der sich in den Sommermonaten regelmäßig mit seiner Frau Emy in Hofheim aufhält. In dieser räumlichen Nähe kann FSD nun Schmidt-Rottluff oft beim Malen seiner zahlreichen Bilder zusehen. Mit Hanna Bekker, dem Ehepaar Schmidt-Rottluff und Ida Kerkovius ist FSD in lebenslanger Freundschaft verbunden.


Zum Werk Friedel Schulz-Dehnhardts

„Die Ölbilder von FSD steigern Naturanblicke ins Märchenhafte. Sei es eine Küsten-landschaft oder ein irrealer Wald, stets klingt ein Hauch moderner Romantik mit, ... . Sie gleiten in das farbige Zwischenreich, in dem Seelisch-Explosives neben behaglich zu wandelnden Pfaden liegt; indem sich Gegenständliches mit dem Ungegenständlichen verbindet, Hellsichtiges mit Traumhaft-Gespenstischem blüht“, lauten Pressestimmen über FSD´s Bilder.
Immer wieder sind es folgende Attribute, mit denen ihre Arbeiten charakterisiert werden: phantasievoll, traumverloren, leuchtend, poetisch, imaginär ... . Und es ist irrelevant, welches Material sie anwendet. Immer entstehen Bilder, die unverwechselbar ihre Handschrift tragen. Auch in ihrem umfangreichen grafischen Werk zeigt sie ihren eigenen Duktus. Auf der Suche nach neuen Ausdrucksmitteln entstehen vielartige Objekte aus Holz, Kunststoff, Glas, Kunststein und aus gefundenen Gegenständen. Als „Werkfrau“ stellt sie besonders in den 1950/60er Jahren Bildapplikationen aus textilen Materialien, Mosaiken, Sakralglasfenster u.a. her. 1970 wird ihr „Mädchen mit Lamm“ als Unicef-Grußkarte ausgewählt. In diesen Jahren entstehen zahlreiche Grafiken, Objekte, Collagen, Hinterglasbilder, Kunststoffverschmelzungen, Glasschnitte und Faltbilder. Für Friedel Schulz-Dehnhardt ist ein Leben ohne Kunst nicht möglich und sie ist Vorbild darin, dass künstlerisches Schaffen keine Altersgrenze kennt. Ihr Spätwerk vereint gestische Malerei, Art scriptural und Dripping, d.h. drip painting (getropfte Malerei).



Biografie Friedel Schulz-Dehnhardt

1912 Geboren am 14.06. in Tann / Rhön, verbrachte sie ihre Schulzeit und Jugend in Fulda.

Dort absolvierte sie eine Ausbildung mit Schwerpunkt Werkunterricht in der Frauenschule der Englischen Fräulein in Fulda.

Ab 1929 Besuch des Pädagogischen Seminars mit den Hauptfächern Malerei und Modellieren in Mülhausen bei Düsseldorf. Beendigung des Studiums mit dem Diplom.

1936 Wohnort Frankfurt am Main. Friedel Schulz-Dehnhardt lernt Marta und Madeleine Hoepffner kennen. Es entsteht eine lebenslange Freundschaft. In der folgenden Zeit arbeitet sie im Atelier von Günter Schulz-Ihlefeldt, ihrem späteren Mann.

1940 Günter Schulz-Ihlefeldt wird zum Kriegsdienst eingezogen.

1942 Während eines Kriegsurlaubs von der russischen Front heiraten Friedel Schulz-Dehnhardt und Günter Schulz-Ihlefeldt.

1943 Das Haus in Frankfurt wird zerstört. Friedel Schulz-Dehnhardt, ihre Mutter und ihr Bruder ziehen nach Hofheim. Der Laden für Kunsthandwerk, die „Bunte Stube“, in der Straße „Am Alten Bach“ wird eingerichtet.

1947 Gründung des „Frankfurter Kunstkabinetts Hanna Bekker vom Rath“. Friedel Schulz-Dehnhardt und Hanna Bekker vom Rath sind bereits seit der Roederstein-Gedächtnisausstellung im Frankfurter Kunstverein gut bekannt.

1948 Friedel Schulz-Dehnhardt ist Teilnehmerin der ersten Hofheimer Kunstausstellung nach dem Krieg – Initiatorin ist Hanna Bekker vom Rath.

1949 Friedel Schulz-Dehnhardt hat intensive Kontakte zum Künstlerkreis um Hanna Bekker vom Rath, die Zeit ihres Lebens künstlerisches und menschliches Vorbild bleibt. Ein Schlüsselerlebnis für die künstlerische Entwicklung ist die Bekanntschaft mit Ida Kerkovius. Es entsteht eine tiefe Freundschaft.

1954 Hanna Bekker vom Rath lässt in ihrem Garten ein Haus bauen. In dem gemeinsamen Objekt entsteht im Parterre eine Wohnung für Friedel Schulz-Dehnhardt, im ersten Stock ein Atelier für Karl Schmidt-Rottluff.

1962 Die Freie Gruppe Hofheim wird von acht Künstlerinnen und Künstlern gegründet: Ursula Dittmann, Karl Degener, Ev Grüger, Hermann Haindl, Marta Hoepffner, Hermann Krupp, Siegfried Reich an der Stolpe und Friedel Schulz-Dehnhardt. Sie nimmt bis 1997 an den jährlichen Ausstellungen der Gruppe teil.

1966 Günter Schulz-Ihlefeldt stirbt.

1970 Die UNICEF sucht für eine der traditionellen Grußkarten ein Bild von Friedel Schulz-Dehnhardt aus. Zeitungen und Fernsehen berichten über die Künstlerin. Sie hält sich jetzt oft in ihrem Feriendomizil im spanischen Jávea an der Costa Blanca auf oder zu regelmäßigen Besuchen in München.

1974 Studienpreis der Heusenstamm-Stiftung.

1978 UNICEF-Preis mit ZDF-Sendung im Hofheimer Atelier.

1992 Kulturpreis der Stadt Hofheim am Taunus als Mitglied der Hofheimer Gruppe. Die Malervereinigung besteht seit 30 Jahren. Sie stellt im Rohbau des Stadtmuseums aus.
In diesem Jahr wird auch das Atelierhaus abgerissen und ein Neubau entsteht, in dem Friedel Schulz-Dehnhardt eine Wohnung mit Blick auf das Blaue Haus bezieht.

1999 Rückschau auf ihr künstlerisches Schaffen im Stadtmuseum Hofheim am Taunus.

2008 Ehrenring in Gold der Stadt Hofheim am Taunus.

2011 stirbt Friedel Schulz-Dehnhardt in Hofheim am Taunus.


Kurz-Vita der Schenkerin

Hildegard A. Niepel hat ihr Leben facettenreich gestaltet. Nach einer Sprachausbildung in Bad Harzburg ging sie nach Amerika. Von dort aus „eroberte“ sie sich als Stewardess für `Pan American World Airways` die ganze Welt. Sie lebte in San Francisco, Miami, New York und Hong Kong. 1969 kehrte sie nach Deutschland zurück und absolvierte die Journalistenschule in München. Danach arbeitete sie u.a. beim `Foto-Magazin`.

Ende der 1970er Jahre lernte Hildegard A. Niepel bei einer Vernissage in München die damals fast 70jährige Malerin Friedel Schulz-Dehnhardt aus Hofheim kennen. Das war gleichzeitig der erste Kontakt mit ihren Bildern und den Werken des verstorbenen Mannes Günter Schulz-Ihlefeldt.

1982 wechselte sie zum Fernsehen in die Redaktion von `Aktenzeichen XY … ungelöst` und `Vorsicht, Falle!` Sie schrieb über 100 Drehbücher für diese beiden ZDF-Sendungen.
Als sie 1992 die Redaktion der TV-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ verließ, um freiberuflich zu arbeiten, begann sie sich wieder intensiver mit Kunst zu befassen. Sie unterstützte Friedel Schulz-Dehnhardt bei ihrer Arbeit (Ausstellungen, Erstellen von Katalogen, Pressetexten etc.). Sie wurde schließlich und das über lange Jahre hinweg die „Agentin“ des Künstler-Ehepaares. Friedel Schulz-Dehnhardt starb 2011 im Alter von 102 Jahren. Der gesamte Nachlass aus der Hofheimer Atelier-Wohnung ging in ihren Besitz über.

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