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"Hölle & Paradies. Der deutsche Expressionismus um 1918 " - Sonderausstellung im Stadtmuseum Hofheim

Mit „Hölle und Paradies“ zeigt das Stadtmuseum Hofheim ein Jahrzehnt deutscher Kunstgeschichte, das von tiefgreifenden Umbrüchen gezeichnet war.
Bild von Ludwig Meidner mit dem Titel "Betrunkene Straße"
Ludwig Meidner (1884–1966), Betrunkene Straße, 1915, Tusche, Sammlung Frank Brabant. Foto: Archiv Frank Brabant© Ludwig Meidner-Archiv, Jüdisches Museum der Stadt Frankfurt am Main
Gleich zu Beginn der Ausstellung werden die bedeutenden Kriegszyklen von Ludwig Meidner (1914) und Otto Dix (1924) einander exemplarisch gegenübergestellt. Die Vorstellung des Krieges und seine grausame Realität bilden den Kristallisationspunkt für eine neue expressionistische Künstlergeneration, die sich mit dem Ende des Ersten Weltkriegs formiert.

Nach der Ersten Generation („Brücke“, „Blauer Reiter“) spricht man hier von einer Zweiten Generation, da diese Künstler eine gemeinsame, traumatisierende Erfahrung teilen: das systematische Massentöten des Ersten Weltkrieges. Es ist die Zeit der gesellschaftlichen Extreme: zwischen Hunger und Verheißung, Revolution und Reaktion, Zukunftsängsten und hochgespannten Idealen.

Stilistische Neuerungen wie Kubismus, Futurismus und ein expressiver Naturalismus werden von den Avantgarde-Künstlern Conrad Felixmüller, Georg Tappert und Bruno Krauskopf zur Intensitätssteigerung ihrer Bildsprache eingesetzt. Man möchte die Gesellschaft mit den ästhetischen Mitteln der Kunst erneuern: schöpferisch, spirituell, politisch.
Während auf den Straßen der Hauptstadt die Barrikadenkämpfe des Spartakusaufstandes toben, schließen sich die Künstler in ganz Deutschland zu neuen Vereinigungen zusammen: in Berlin zur „Novembergruppe“, in Dresden zur „Sezession Gruppe 1919“, in Düsseldorf zum „Das Junge Rheinland“. Sie fühlen sich als „Revolutionäre des Geistes“.
In der Euphorie des Neuanfangs der Weimarer Republik sind die Hoffnungen groß, den neuen Menschen in einer freiheitlichen Gesellschaft hervorzubringen. Die Kunst soll universal sein: der große Aufbruch der Gegenwart, Erlebnis und Zukunftsvision – von der „Hölle“ des Krieges ins „Paradies“ einer friedlichen, vergeistigten Menschheit, wie sie die süddeutschen Expressionisten Gottfried Graf, Albert Mueller und Josef Eberz herbeiträumen.

Doch lassen sich diese hochfliegenden geistigen Spannungszustände auf Dauer nicht aufrechterhalten. Das leidenschaftliche Gefühl weicht dem nüchternen Blick, dem Expressionismus folgen Abstraktion und Neue Sachlichkeit.

Gezeigt werden mehr als 100 Kunstwerke von 30 Künstlern, unter denen ein Curt Lahs, Hans Orlowski oder Curt Ehrhardt neu zu entdecken sind.
Neben dem berühmten Dreigestirn Meidner – Felixmüller – Dix und den sich zwischen Figuration und Abstraktion bewegenden „Körperbildern“ greift die Konzeption der Ausstellung mit „Blick, Porträt, Maske“ den abgründigen, hypnotischen Blick auf. Dieses für den Expressionismus so charakteristische Thema ist auch Gegenstand einer 15-minütigen Sequenz aus Fritz Langs „Dr. Mabuse“, dem Stummfilmklassiker von 1922 über die diabolische Verführungskraft eines Verwandlungskünstlers.


Künstler der Ausstellung

Peter August Böckstiegel  Max Burchartz  Otto Dix  Josef Eberz  Curt Ehrhardt  Conrad Felixmüller  Gottfried Graf  Walter Gramatté  Carl Gunschmann  Carl Christoph Hartig  Hans Siebert von Heister  Karl Hofer  Karl Hubbuch  Max Kaus  Edmund Kesting  Edmund Daniel Kinzinger  Wilhelm Kohlhoff  Bruno Krauskopf  Paul Kuhfuss  Curt Lahs  Otto Lange  Carl Lohse  Ludwig Meidner  Albert Mueller  Hans Orlowski  Max Pechstein  Carl Rabus  Heinrich Richter-Berlin  Karl-Peter Röhl  Georg Tappert  Gert Wollheim

Unser Dank geht an die Leihgeber:

• Sammlung Frank Brabant
• Sammlung Hermann-Josef Bunte
• Städtisches Museum Engen
• Winfried Flammann, Karlsruhe
• Magistrat der Kreisstadt Limburg a. d. Lahn – Kunstsammlungen
• Kunstsammlung der Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW)/Landkreis Ravensburg
• Sammlung Gerhard Schneider
• Kunstsammlung der Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW)/Landkreis Sigmaringen
• sowie weitere private Leihgeber


„Hölle & Paradies. Der deutsche Expressionismus um 1918“ ist eine Ausstellung des Städtischen Museums Engen + Galerie, kuratiert von Dr. Velten Wagner.

Die Präsentation in Hofheim realisiert mit freundlicher Unterstützung von:

• Förderkreis Stadtmuseum Hofheim am Taunus e.V.
• Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
• Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst
• INTERMEZZO, gefördert vom Main-Taunus-Kreis
• Kunstverein Hofheim e.V.
• Mainova AG
• Stiftung der Frankfurter Sparkasse

Veranstalter: Magistrat der Stadt Hofheim am Taunus – Stadtmuseum

Zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, 27. September 2020, gibt es um 13.00, um 14.30 und um 16.00 Uhr eine Einführung von Dr. Eva Scheid "Von welcher Art ist die Vision? Es gibt nur eine: die von der Erneuerung des Menschen." (Georg Kaiser, 1918),
im Anschluss Führung mit Monika Öchsner M.A. und Amalie Wilke M.A.
Anmeldung zur Einführung unter Telefon (06192) 900305, Mail an: stadtmuseum@hofheim.de oder am Eröffnungstag vor Ort (keine Eintrittsgarantie).


Rahmenprogramm zur Ausstellung

ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN
mit Monika Öchsner M.A. und Amalie Wilke M.A.
11.10.2020, 18.10.2020, 25.10.2020, 01.11.2020, 08.11.2020, 15.11.2020, 22.11.2020, 29.11.2020, jeweils 11.15 Uhr
06.12.2020, 20.12.2020, jeweils 11.15 und 15 Uhr
13.12.2020, 27.12.2020, jeweils 15 Uhr
10.01.2021, 17.01.2021, jeweils 11.15 und 15 Uhr
24.01.2021, 15 Uhr
31.01.2021, 07.02.2021, 14.02.2021, jeweils 11.15 und 15 Uhr
Eintritt: 7 €, erm. 5 €

„Heute fühle ich mich grün/blau/rot“ –
In der Ausstellungsführung mit Gespräch und Diskussion beleuchten wir die Bedeutung von Farben für die Kunstrichtung des Expressionismus sowie außerhalb in Alltag, Kleidung und Natur.
mit Amalie Wilke M.A., Kunsthistorikerin
Sonntag, 4.10., 13.12.2020 und 24.1.2021, jeweils 11.15 Uhr
Kinder und Erwachsene herzlich willkommen!
Eintritt: 7 €, erm. 5 €, Kinder 2 €


VERANSTALTUNGEN

Der Kampf um die Erinnerung
Vortrag mit Prof. i. R. Hajo Funke
Donnerstag, 19.11.2020, 19.30 Uhr
Stadthalle Hofheim, Chinonplatz 4
Eintritt frei
Anmeldung: Tel. 06196 807978, cjz.mtk@gmx.de
In Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und dem Bündnis „Deine Stimme gegen rechts“ im Main-Taunus-Kreis

Freitag Abend im Museum
Vision und Abstraktion. Über die zweite Generation des deutschen Expressionismus
Vortrag mit Prof. Dr. Otfried Schütz
Freitag, 4.12.2020, 20 Uhr
Stadtmuseum Hofheim, Burgstraße 11
Eintritt: 10 €, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei
In Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Hofheim e.V.

„Angefangen hat alles mit einem Holzschnitt ...“ Der Sammler Frank Brabant im Gespräch
mit Dr. Roman Zieglgänsberger, Museum Wiesbaden
und Dr. Eva Scheid, Stadtmuseum Hofheim.
Dienstag, 19.01.2021, 20 Uhr
Eintritt: 8 €
In Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Stadtmuseum Hofheim am Taunus e.V.

Save the date! Finissage am 14.02.2021


WORKSHOPS

Come closer!“2 / artmaintaunus unterwegs
Samstag, 28.11.2020, 14.30 – 17.00 Uhr
Einen Blick über die Schulter von fünf zeichnenden Künstler*innen der Plattform artmaintaunus werfen.
Line up: Nadja Bauernfeind, Yuriy Ivashkevich,
Romana Menze-Kuhn, Clara Schuster und Kai Wolf.
Eintritt: 7 €, erm. 5 € (inkl. Ausstellungsbesuch)

(Y)OUR REALITY! mit Künstlerin Nicole Wächtler
Workshop-Reihe für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren im Kunstprojekt Intermezzo,
gefördert durch den Main-Taunus-Kreis
Samstag, 24.10. + 31.10. sowie 7.11. + 21.11.2020,
jeweils 11 – 14 Uhr
Eintritt frei


OFFENE MUSEUMSWERKSTATT

Expressionistisch experimentieren
mit Farben und Materialien
Workshops für Kinder von 6 – 12 Jahren
Samstag, 10.10., 14.11. + 12.12.2020, jeweils 11 – 13 Uhr
Eintritt: 4 €


STADTMUSEUM HOFHEIM DIGITAL

Hofheim spricht!
Via kurzer Audios beziehen die Bürger*innen der Stadt Stellung zu ihren Lieblingswerken von „Hölle & Paradies“. Abhörbar sind die Statements über QR-Codes an den Bildern während des Ausstellungsbesuches mit dem eigenen Handy.

„Heute fühle ich mich grün/blau/rot“
In einer digitalen Ausstellungsführung beleuchten wir die Bedeutung von Farben für die Kunstrichtung des Expressionismus sowie außerhalb in Alltag, Kleidung und Natur.

Montagspoesie
Malerische Werke der Ausstellung werden mit ausgewählter expressionistischer Dichtung verknüpft und auf Facebook sowie Instagram präsentiert.
Expressionistische Dichter aufgepasst! Wir freuen uns auf von der Ausstellung inspirierte lyrische Texte, die mit der Verlinkung #hölleundparadieshofheim oder per E-Mail eingereicht werden.


Begrenzte Teilnehmerzahl!
Anmeldung zu allen Führungen, Veranstaltungen und Workshops
unter Telefon (06192) 900305, Mail an: stadtmuseum@hofheim.de oder am Veranstaltungstag vor Ort (dann keine Eintrittsgarantie).

Die Öffnung des Stadtmuseums wie auch die Durchführung geplanter Veranstaltungen stehen unter Vorbehalt der Entwicklung zur Infektionslage mit dem Coronavirus (Sars-CoV-2).

Herausgeber

Magistrat der Stadt Hofheim am Taunus
Team Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Chinonplatz 2
65719Hofheim am Taunus
Telefon
06192 / 202 - 221
Telefax
06192 / 202 - 5221
E-Mail
ibernardellihofheimde
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