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Fremder Blick

Marta Hoepffner-Preis für Fotografie 2020

21. Juni bis 13. September 2020

Die unabhängige Jury hat ihre Entscheidung getroffen und Nikolaus Stein (* 1993), Absolvent der Ostkreuzschule für Fotografie, Berlin den 7. Marta Hoepffner-Preis für Fotografie zugesprochen. Dieser Preis für Schwarz-Weiß-Fotografie, der alle drei Jahre an Nachwuchsfotografen vergeben wird, ist mit 3.000 Euro dotiert. Mit der Verleihung des Marta Hoepffner-Preises für Fotografie wird an die einst avantgardistische und experimentell arbeitende Fotografin Marta Hoepffner (1912 – 2000) und Leiterin der gleichnamigen Fotoschule in Hofheim am Taunus erinnert.

Das Thema des 7. Hoepffner-Preises lautete: Fremder Blick. Ausschreibungstext: Der Blick auf fremde Menschen oder fremde Kulturen kann entweder faszinieren, neugierig machen und Sehnsüchte wecken oder Unsicherheiten, Ängste und Abwehr auslösen. Das Fremde weicht ab vom Vertrauten und kann neue Möglichkeiten eröffnen. In der Entfremdung zu sich selbst, zu Anderen, zur Natur zeigt sich ein weiterer grundlegender Konflikt, dem der moderne Mensch ausgesetzt ist. Sie bildet eine Grundlage für die Entwicklung und Gestaltung eigener Positionen. 

Die Jury hat von 52 Fotografen mit 228 eingesandten Arbeiten zwölf Favoriten für die Ausstellung gewählt und daraus den Preisträger bestimmt.

Der Jury gehörten an: 
○ Dr. Beate Kemfert, Vorstand Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim
○ Sibylle Fendt, Hochschule Hannover
○ Freddy Langer, Frankfurter Allgemeine Zeitung
○ Chris Becher, Preisträger Marta Hoepffner-Preis 2017
○ Ralf Dingeldein, Marta Hoepffner-Gesellschaft e.V.

Schirmherr von Wettbewerb und Ausstellung ist Bürgermeister Christian Vogt.


Begründung der Jury für die Preisvergabe an Nikolaus Stein:

Der Fotograf Nikolas Stein inszeniert das Thema des „Fremden Blicks“ in der Serie „graal“ überraschend. Dabei sind sowohl die formale als auch inhaltliche Umsetzungen seiner verschiedenen Einzelbilder überzeugend gelungen. Inspiriert von dem mittelalterlichen Roman Li Contes del Graal begibt er sich auf eine Suche nach Bildern zwischen Mystik und Wahnsinn, Orientierungslosigkeit und Skurrilität. Zum Teil baut Nikolas Stein seine Bildkompositionen grafisch mit geraden Liniengerüsten auf. Blickrichtungen unterstützen dann längliche Gegenstände wie Flinten auf ein Gully-Loch oder ein in die Luft gereckter Finger auf ein kurioses Flugzeug am Haken. Zum anderen erzielt er malerische Wirkungen in weiter Landschaft oder durch den Einsatz von Unschärfe. Wenn Nikolas Stein Schatten als Kompositionselement nutzt, abstrahiert er nicht nur seine Bildsprache, sondern lädt besonders zu Assoziationen ein. So erscheint ein Schattenbild einer menschlichen Figur durch die Verbindung mit vorhandenen Spuren auf dem Asphalt wie eine fiktive Gestalt mit tierischen Fühlern. Ob witzige Metamorphosen oder skurrile Begebenheiten – bei den Fotografien von Nikolaus Stein geht es weniger um eine Verortung oder Gegenstandsbeschreibung, vielmehr zeigt er Widersprüchliches im Zusammenspiel von Mensch und Objekt oder seinem Lebensraum. Nikolaus Stein versteht es, faszinierende und geheimnisvolle Geschichten zu erzählen. Mit Perspektiven- und Szenenwechseln erzeugt er Spannungsbögen, in denen Raum, Personen und Handlungen zum Vexierbild eines nicht zu begreifenden, teils beängstigenden, teils humorvollen „Fremden Blicks“ werden.



Die Jury erwähnt außerdem lobend den Fotografen Aristidis Schnelzer mit seiner Fotoarbeit „Peter Holly": Aristidis Schnelzer wagt es, einen Menschen in seiner ganzen Verletzlichkeit zu zeigen. Er entscheidet sich bewusst, nicht den Alltag des Obdachlosen Peter zu beschreiben, sondern ausschließlich an der Oberfläche seines Körpers und durch den Ausdruck seiner Blicke, die Schwere seines Lebens zu erahnen. Diese intensive Auseinandersetzung mit einem Menschen, der am Rande der Gesellschaft lebt, berührt und zwingt gleichzeitig in unverblümter Deutlichkeit dort hinzuschauen, wo wir unsere Blicke normalerweise abwenden.


Zusammen mit dem Preisträger werden die Arbeiten folgender 11 Fotografinnen und Fotografen zu sehen sein: ● Arhun Aksakal ● Louisa Bäcker ● Bastian Gehbauer ● Ronja Hermann ● Tabita Hub ● Alexander Klang ● Milan Koch ● Michael Paul Romstöck ● Aristidis Schnelzer ● Fabian Stransky ● Marcus Wiechmann.
Es erscheint ein ausführlicher Katalog mit zahlreichen Abbildungen sowie Texten zu den Künstlern und zur Schwarzweiß-Fotografie: 106 Seiten, 10 Euro, ISBN ISBN 978-3-933735-57-7.

Marta Hoepffner. Selbstbildnis, 1948. © Estate Marta Hoepffner
Marta Hoepffner. Selbstbildnis, 1948. © Estate Marta Hoepffner

Details zur Ausschreibung finden Sie unter:

http://www.hoepffner-preis.de/

Die Marta Hoepffner-Gesellschaft für Fotografie e.V. will mit dem Preis die künstlerische Schwarz-Weiß-Fotografie fördern und professionelle Nachwuchsfotografen in diesem Bereich unterstützen. Das Andenken an die Fotografin Marta Hoepffner (1912–2000) soll wach gehalten und der interessierten Öffentlichkeit regelmäßig ein Einblick in aktuelle Entwicklungen zeitgenössischer Schwarz-Weiß-Fotografie gegeben werden.

Zur Fotokünstlerin und Pädagogin Marta Hoepffner siehe: http://www.hofheim.de/Stadtmuseum


In den zwanzig Jahren seiner Existenz hat sich der Marta Hoepffner-Preis für Fotografie zu einem renommierten Fotopreis mit dem Fokus auf die Schwarzweiß-Fotografie entwickelt.

Zum vierten Mal stiftet das Porsche Zentrum Hofheim das Preisgeld in Höhe von 3000 €.

Logo von Porsche

Ausstellung und Katalog werden gefördert durch:

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* Die Öffnung des Museums wie auch die Durchführung geplanter Veranstaltungen stehen unter Vorbehalt der Entwicklung zur Infektionslage mit dem Coronavirus (Sars-CoV-2).

Veranstalter: Marta Hoepffner-Gesellschaft für Fotografie e. V. und Magistrat der Stadt Hofheim am Taunus – Stadtmuseum / Stadtarchiv

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