Sprungmarken

HAP Grieshaber. Paare

Holzschnitte und Malbriefe an Hanna Bekker vom Rath

14.11.2004 - 13.2.2005

HAP Grieshaber (1909-1981) ist der bekannteste deutsche Holzschneider seit dem Zweiten Weltkrieg. Das Erleben von Verfemung als Künstler während des Dritten Reiches und des Leids, das Krieg verursacht, machte ihn zum „betroffenen Zeitgenossen“, der sich in seiner Kunst politisch gegen Diktatur und Folter und für Freiheit und Umweltschutz einsetzte. „Ich halte nichts von ‚engagierter Kunst’, denn ich bin ein homme engagé, für den es selbstverständlich ist, daß eine Sache nur dann einen Wert hat, wenn sie politisiert worden ist.“

Die Ausstellung greift ein Thema auf, das sich wie ein roter Faden durch sein gesamtes Œuvre zieht: Paare. Gezeigt werden 60 Holzschnitte aus den Jahren 1935-1978, teils mit farbigen Varianten, teils übermalt und durch Druckstöcke ergänzt. Die Reihe beginnt sprichwörtlich mit „Adam und Eva“, behandelt Tages- und Jahreszeiten, Bedrohung, Scheidung, Eros und Tanz und deckt damit die weite Bandbreite menschlicher Zweisamkeit ab. Seit 1933 lebte Grieshaber zurückgezogen auf der Achalm bei Reutlingen inmitten der rauhen Schwäbischen Alb. An seine Naturverbundenheit wird mit einer Gruppe von Tierpaaren erinnert.

Über seine Lehrtätigkeit an der Bernsteinschule kam er 1953 in Kontakt mit Hanna Bekker vom Rath, besuchte sie in Hofheim und stellte mehrmals im Frankfurter Kunstkabinett aus. Zeugnisse dieser Verbindung sind u.a. zwölf, teils mehrseitige Malbriefe, die im Rahmen der Ausstellung zum ersten Mal öffentlich gezeigt und dokumentiert werden, auch hier widmet er sich immer wieder dem Thema Paare. Das Nebeneinander der Holzschnitte und Aquarelle regt zu interessanten Betrachtungen an. Grieshaber, der sich intensiv mit der Gestaltung von Schrift und Bild in Publikationen auseinandersetzt, wendet dieses Wissen auch in seinen Malbriefen an, die er an Freunde, Kunsthändler und Verleger schickt. Beispielhaft hierfür sei aus einem Brief vom 25.1.1954 zitiert: „Immer noch zehre ich von den Nächten in Ihrem roten Zimmer, gebannt von den Booten SR’s (das Bild Nächtlicher Mittelmeerhafen von Karl Schmidt-Rottluff). Dieses Bild hat sich mir geheimnisvoll eingeprägt. Es gibt doch Kunst!“
Mit HAP Grieshaber würdigt das Stadtmuseum Hofheim am Taunus einen weiteren Künstler aus dem Umfeld des Blauen Hauses von Hanna Bekker vom Rath und bietet anhand des Themas Paare einen Querschnitt seines künstlerischen Schaffens. Das Ausstellungsprojekt konnte realisiert werden durch die großzügige Unterstützung der 1822-Stiftung der Frankfurter Sparkasse.

Leihgeber der Ausstellung sind das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) Stuttgart, das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, das Städtische Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen sowie Privatsammlungen aus Frankfurt, Hofheim und Rheinland-Pfalz.

Ein Katalog (96 Seiten, 10,- €, ISBN 3-933735-28-9) begleitet die Präsentation.

Ausstellung und Katalog konnten realisiert werden durch die freundliche Unterstützung der 1822-Stiftung der Frankfurter Sparkasse, des Förderkreises Stadtmuseum Hofheim am Taunus e.V., des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, der Mainova AG, ArtRegio – ein Kulturengagement der Sparkassenversicherung sowie Maximiliane Kraft, Hofheim.

Veranstalter: Magistrat der Stadt Hofheim am Taunus - Stadtmuseum/Stadtarchiv in Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Stadtmuseum Hofheim am Taunus e.V. und dem Kunstverein Hofheim am Taunus e.V.

Suche

Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass diese Seite Cookies verwendet.

Mehr Infos