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Ev Grüger

Werkschau Collagen


Ab dem 14. Mai 2000 präsentiert das Stadtmuseum Hofheim am Taunus rund 40 Papierarbeiten der seit 1958 in Hofheim lebenden Künstlerin aus den letzten 10 Jahren, in denen sich die einstige Meisterschülerin Schmidt-Rottluffs mit expressiven Collagen auseinandersetzt. Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, den 14. Mai um 11.15 Uhr. Es sprechen Bürgermeister Rolf Felix und Ausstellungskuratorin Marian Stein-Steinfeld.

Die 1928 in Altenburg/Thüringen geborene Künstlerin beschloß bereits mit 14 Jahren zeichnen zu lernen – das war in der Zeit des Nationalsozialismus, die keine Möglichkeit für eine freie künstlerische Ausbildung zuließ. Selbst die Meisterschule für Textilindustrie in Plauen im Vogtland, an der sie zeichnen lernte, wurde 1943 geschlossen, Ev Grüger zur Arbeit in der Rüstungsindustrie verpflichtet. Der Neubeginn nach dem Kriege erfolgte für Ev Grüger mit 17 Jahren in Weimar. Im Herbst 1945 ging sie an die dort gerade wieder eröffnete Hochschule für Bildende Künste und studierte Malerei bei Otto Herbig und Bildhauerei bei Hans van Breek. 1951 verließ sie den Osten, erhielt ein Stipendium und sehr bald ein Atelier an der Akademie der Bildenden Künste in West-Berlin, wo sie Meisterschülerin von Karl Schmidt-Rottluff wurde. Bei einem ihrer Berlinbesuche stieß Hanna Bekker vom Rath auf Textilarbeiten von Ev Grüger, die der bekannte Berliner Kunsthändler Gerd Rosen zeigte und lud die Künstlerin nach Hofheim ein. 1957, DAAD-Stipendium mit einjährigem Parisaufenthalt. Den Besuchen in Hofheim folgte 1958 der Umzug. Ev Grüger wohnte zunächst im Souterrain des Hauses im Garten von Hanna Bekker vom Rath, in dessen oberster Etage sich Schmidt-Rottluffs Atelier befand. Die ersten Jahre waren harter Existenzkampf.

Bereits 1960 zeigt das Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath eine erste Einzelausstellung der Künstlerin, der viele weitere folgen. Seit 1967 nimmt sie regelmäßig an Graphik-Biennalen, an Ausstellungen für Handzeichnung sowie an Ausstellungen der Darmstädter Sezession und der Freien Gruppe Hofheim, teil.
Ausgezeichnet wurde Ev Grüger 1974 mit dem Studienpreis der Heussenstamm-Stiftung Frankfurt, dem Preis der Marielies-Hess-Stiftung und 1987 mit dem Förderpreis des Landes Hessen. Arbeiten befinden sich im öffentlichen und privaten Besitz des In- und Auslandes. Während in den 1960er Jahren das malerische Schaffen im Vordergrund steht, beschäftigt sie sich in den 1970er Jahren vorrangig mit Zeichnung. In ihren frühen Bildern setzt sie sich mit abstrakten Formen auseinander, die an technische Apparate erinnern, kontrastierende Farbfelder betonen Flächigkeit. Auch die Zeichnungen, die Stilleben und Landschaften thematisieren, zeigen das detailliert komponierte Sujet losgelöst von seiner Umgebung vor luftleerem Raum.

Parallel zu den Bildern und Zeichnungen entsteht ein umfangreiches graphisches Werk in den Techniken des Holz- und Linolschnitts, des Siebdrucks und der Offsetlithographie. Für die Entwicklung in dieser damals neuen Technik erhält Ev Grüger 1977 den 1. Preis der Internationalen Senefelder-Stiftung.

Seit den 1980er Jahren führt Ev Grüger beide Stränge zusammen, es entstehen Acrylbilder, ihre Themen kommen aus der Natur. Die Farben werden wärmer, die Leere zieht sich zurück, Einsamkeit jedoch bleibt. 1988 würdigt der Magistrat der Stadt Hofheim am Taunus ihr zeichnerisches Werk mit einer Ausstellung im Rathaus der Stadt. Die Künstlerin war inzwischen u.a. mit dem Förderpreis des Landes Hessen ausgezeichnet worden.
Ev Grüger verweigert sich jeder Form von Vereinnahmung, sei es durch den Kunstmarkt, Kritiker oder Künstlergruppen. Sie stand und steht in freundschaftlichem Kontakt zu dem Künstlerkreis des Blauen Hauses und zu Künstlerkollegen, der teilweise auf die Weimarer Studienjahre zurückreicht. „Sie zählt zu denjenigen Talenten, die, in sich selbst fest geborgen, sich niemals äußeren, modischen Einflüssen oder sogenannten Erfolgsspekulationen anschließen“, charakterisierte Hanna Bekker vom Rath im Jahre 1974 die Künstlerin.

Die jetzige Ausstellung im Stadtmuseum Hofheim am Taunus zeigt nun die weitere Entwicklung von Ev Grüger, die nichts von ihrem Interesse an neuen Techniken eingebüßt hat, mit einer Werkschau ihrer Collagen, die im Laufe der letzten zehn Jahre entstanden sind und bisher nicht in der Öffentlichkeit zu sehen waren. Ev Grüger-Kenner erwartet eine bemerkenswerte Überraschung, dem Kreis derer, die sie für sich entdecken wollen, wird durch die Einbeziehung von Zeichnungen und Mischtechniken ein Einstieg in die Vielseitigkeit ihres künstlerischen Schaffens geboten.

Katalog, 58 S., 24 farb., 15 s/w Abb., € 7,70 (ISBN 3-933735-18-1)


Führungen

Sonntag, 28.5. und 4.6.2000, jeweils 11.15 Uhr sowie eine Abendführung mit Ev Grüger am Dienstag, den 30.5.2000 um 19.00 Uhr sowie auf Anfrage


Museumswerkstatt

Traumgeschichten
Collagen aus verschiedenen Materialien
ab 10 Jahren, Leitung: Gudrun Bär
jeweils Donnerstag, den 18.5., 25.5. und 8.6.2000, 15.00 - 17.00 Uhr
Kursgebühr: DM 30,-

Stilleben - Kursreihe
Zeichnen und Malen in verschiedenen Techniken
(Bleistift, Pastellkreiden, Gouachen)
Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene, Leitung: Dagmar Leuchter
jeweils Samstag, den 3.6., 10.6. und 17.6.2000, 15 – 17 Uhr
Kursgebühr: DM 20,- pro Samstag, für alle drei Samstage, DM 45,-



Veranstalter:
Magistrat der Stadt Hofheim am Taunus - Stadtmuseum/Stadtarchiv.
Mit freundlicher Unterstützung durch die SparkassenVersicherung Hessen-Nassau-Thüringen und den Förderkreis Stadtmuseum Hofheim am Taunus.

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