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Sonderausstellung

Ich bin ein Narr. Hermann Haindl zum 90. Geburtstag

20. August - 1. Oktober 2017
Eröffnung, 20. August 2017, 11.15 Uhr

Der Ruf, ein „Narr“ zu sein, eilte ihm voraus, denn ein Narr fasziniert mit seinem Verhalten außerhalb des Üblichen: Hermann Haindl (1927–2013) spiegelte uns das Verlangen nach Vertrauen, das aus Zuversicht entstehen kann, das auf seiner Mitmenschlichkeit und seinem Respekt vor anderen Menschen beruhte.

Die Karte des Sterns aus seinem „Haindl-Tarot“ lässt erkennen, warum Hermann Haindl im künstlerischen Tun seine Entscheidungen der nicht beeinflussbaren Natur überlassen hat: Er übergab seine Malgründe einem „höheren Geschehen“ und beugte sich ehrfürchtig den universellen Kräften, die Wind und Wetter ihm an Gestaltungsmöglichkeiten aufzeigten. Hermann Haindl hatte nie den Anspruch, perfekt zu sein. Das war seine Art von Demut: Er war abwartend, interpretierend, reflektierend.

Hermann Haindl. Vertreibung von der brennenden Erde, 2011.
Hermann Haindl. Vertreibung von der brennenden Erde, 2011.© Nachlass Hermann Haindl
Hermann Haindl. Selbstbildnis im Baum (Letztes Selbstbildnis), 2012
Hermann Haindl. Selbstbildnis im Baum (Letztes Selbstbildnis), 2012© Nachlass Hermann Haindl

In seiner Verehrung für alte Bäume - die vieles gemein haben mit uns Menschen - erkannte Hermann Haindl sein eigenes Schicksal, seine Verletzungen, seine Widerständigkeit, aber auch erkennend im Traum seine Rückkehr im Sterben „in die andere Welt“. Immer wieder war da auch der Ruf zu einem Neuanfang – für Hermann Haindls Leben und sein Kunstverständnis ist dies an Symbolkraft kaum zu überbieten.

Narren müssen querdenken. Das Normative steht bei ihnen immer zur Disposition. Sie sind dazu berufen, Impulse zu schaffen und den Mitmenschen zuzurufen: „Macht etwas daraus!“. Hermann Haindl wollte mit seiner Kunst für sich selbst das Leben entschlüsseln – sein ganzes Leben lang; das Dasein als Ritual, als Kraftfeld, als tiefe Spur in seinem Schaffen. 

Am 30. September 2017 wäre Hermann Haindl 90 Jahre alt geworden. Seine Bilder sind Symbole seines Lebens, regen auf, schaffen Kontroversen und eröffnen lebendige, zukunftsgerichtete Themenräume, eindringlich zusammengestellt in dieser Ausstellung.

links:Die hohe Zeit der Demeter, 1983; rechts: Die Weisheit Salomons, 1972
links: Die hohe Zeit der Demeter, 1983; rechts: Die Weisheit Salomons, 1972© Nachlass Hermann Haindl
Hermann Haindl. Krieg - lebenslange Folgen, 1969. Privatbesitz
Hermann Haindl. Krieg - lebenslange Folgen, 1969. Privatbesitz© Nachlass Hermann Haindl

Die Ausstellung beginnt mit Hermann Haindls Lebensthema – der Anklage gegen den Krieg. In „Pazifismus contra Wiederbewaffnung“ drückt der Künstler seine Verachtung für den Krieg und jede Art von Gewalt aus. Hermann Haindl hatte sich bereits beim kindlichen Malen Bäume als Motive ausgesucht. In „Bäume: Symbole des eigenen Lebens“ zeigt er seine Ehrfurcht vor allem, was lebendig ist, und legt Zeugnis ab von seiner tiefen Sehnsucht nach Frieden.

Hermann Haindl. Hexensabbat, 1986. Privatbesitz
Hermann Haindl. Hexensabbat, 1986. Privatbesitz© Nachlass Hermann Haindl
Seine Frauenbilder strahlen Selbstsicherheit aus, seine Männerbilder patriarchale Macht und deren Folgen oder Resignation. Für das eigene Dasein fand er den beglückenden Weg, in Balance von gebender und nehmender Liebe zu leben – bis zum Ende. Das abschließende Thema nimmt den stetigen Wandel hinein in die von Hermann Haindls verkörperte Weltordnung eines sinnvollen Dreiklangs: Alles ist Bewegung! Er habe – so ein naher Freund – die wahre und zukünftige Aufgabe derjenigen Künstler begriffen, die den Weg aus der Sackgasse der Konsumgesellschaft. herauszufinden vermögen und zurückfinden zu einem Leben des Seins und nicht des Habens.

Portrait Hermann Haindl
Portrait Hermann Haindl© Reinhold Schultheiß

Biografie

Hermann Haindl wurde am 30. September 1927 in Berlin geboren und ist am 16. August 2013 in Hofheim im eigenen Zuhause gestorben.

1954 kam der damals noch unbekannte Maler aufgrund einer Einladung von Hanna Bekker vom Rath zu einem Faschingsfest erstmals nach Hofheim, wo er eine junge Frau namens Erika Mehlhorn kennen und lieben lernte. Ein knappes Jahr später heirateten die beiden und gründeten eine Familie. Hofheim verdankt der Partnerschaft von Hermann und Erika Haindl nicht nur die Initiative zur Erhaltung der historischen Innenstadt, sondern auch zahlreiche Anregungen, die zum heutigen Bestand des politischen und kulturellen Lebens in Hofheim gehören. Als Leiter der künstlerischen Werkstätten der Städtischen Bühnen Frankfurt fand er für dreißig Jahre eine Arbeit, in der Neigung und Lebenssicherung zusammentrafen.



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Veranstalter: Magistrat der Stadt Hofheim am Taunus – Stadtmuseum / Stadtarchiv in Zusammenarbeit mit Förderkreis Stadtmuseum Hofheim am Taunus e. V., Kunstverein Hofheim e.V. und dem Zentrum für altes und neues Wissen und Handeln e.V.


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