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Spotlight 01 - Die Synagoge im Büttelturm

Spotlight 01 - Die Synagoge im Büttelturm

Anlässlich des deutschlandweiten Festjahres „2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland“ starten wir unsere neue Serie „Spotlights – Fundstücke aus dem Stadtarchiv“ mit einem besonderen Foto der Hofheimer Synagoge.

Dieses im Original 10 x 7,5 cm kleine Schwarzweißfoto wurde am 12. August 1931 vom Hofheimer Lehrer und Heimatforscher Josef Nix aufgenommen und ist Teil eines 1941 von ihm zusammengestellten Albums, in dem er die Geschichte seiner Familie dokumentierte. Das Album befindet sich erst seit Oktober 2019 im Stadtarchiv und ist Teil einer Schenkung, der in den USA lebenden Nix-Enkelin Hermi Woodward.

Auf dem Foto zu sehen ist der Blick durch das Burggrabengässchen von der Burgstraße aus. Die beiden Personen sind Josef Nix Ehefrau Friederike geborene Staab und seine Tochter Elisabeth. Ganz hinten im Bild erkennt man eines der markantesten Gebäude der Hofheimer Altstadt: den Büttelturm, liebevoll auch Türmchen genannt. Ehemals Teil der nach der Verleihung des Stadtrechts ab 1352 erbauten Stadtbefestigung, diente der obere Teil des Turms bis ca. 1780 als Wohnung für den Gerichtsdiener, damals Büttel genannt. 1787 versteigerte die Stadt den für sie inzwischen entbehrlichen Turm an den Privatmann Anton Krimmel. Wie lange Krimmel Besitzer des Gebäudes blieb, ist nicht bekannt. Fest steht aber, dass irgendwann zwischen 1795 und dem Anfang des 19. Jahrhunderts die jüdische Cultusgemeinde Hofheim den Turm erwarb und hier ihre Synagoge einrichtete.

Und eben an dieser Stelle kommt dem obigen Foto eine ganz besondere Bedeutung zu. Wenn man genau hinsieht, erkennt man auf der Spitze des Turms einen sechszackigen Davidstern. Auf keinem anderen Foto im Stadtarchiv ist dieses Symbol zu sehen und der Turm somit auch äußerlich eindeutig als Synagoge zu erkennen. Wahrscheinlich wurde der Stern erst recht spät auf dem Gebäude angebracht, vielleicht bei der großen Renovierung der Synagoge 1925. Damals entstanden in dem zweistöckigen Gebäude 20 Sitzplätze für männliche und 10 für weibliche Gemeindemitglieder. Der nun erstmals dokumentierte Davidstern spielt eine zentrale Rolle in einem Zeitzeugenbericht zur Reichspogromnacht am 9. November 1938, in der auch die Hofheimer Synagoge verwüstet und die Inneneinrichtung zerstört wurde. Nach den Schilderungen des Hofheimers Joseph Rufa wurde ein ansässiger Handwerker, vermutlich Schmied oder Schlosser, gezwungen, den Stern vom Dach zu holen und in seiner Werkstatt ein Hakenkreuz anzufertigen, das an dessen Stelle angebracht wurde. Ende des Jahres 1938 musste die Cultusgemeinde das Gebäude der Stadt unentgeltlich übertragen. Nach 1945 wurde das Türmchen für die unterschiedlichsten Zwecke genutzt, bis 1982 der Umbau zu einem Restaurant begann.

JLID2021 (2021jlid.de)

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