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Reste ehemaliger Dorfflächen am Kapellenberg gefunden: seltener Glücksfall archäologischer Erhaltung

Reste ehemaliger Dorfflächen am Kapellenberg gefunden: seltener Glücksfall archäologischer Erhaltung

Zu den aktuellen Ergebnissen der Grabung 2013 an der jungsteinzeitlichen Höhensiedlung Kapellenberg in Hofheim/Ts.
Die diesjährige Grabung am Kapellenberg hat sich erstmals ausschließlich der Innenfläche gewid-met. Ziel war es, eine Vorstellung über die Funderhaltung und die Bodenverhältnisse auf dem Pla-teau zu gewinnen. Aufgrund von Oberflächenfunden werden hier die Reste einer Siedlung vermu-tet, deren genaue Ausdehnung aber auch zeitliche Dauer ganz und gar unklar ist. Die diesjähige Grabung zeigt, dass durchaus Konzentrationen von Scherben aber auch Holzkohle auf dem Plateau zu finden sind, die vermutlich von ehemaligen Dorfplätzen oder –straßen stammen und in den Bo-den eingetreten worden sind.
Nachdem in den vergangen Jahren der umlaufende Wall am Kapellenberg an verschiedenen Stellen untersucht worden ist, hat sich die diesjährige Grabung ausschließlich auf die Innenflä-che konzentriert. Durch die langjährige Begehungen war von der ausgesuchten Stelle besonders viel Siedlungsmaterial in Form von Keramikbruchstücken, verbrannten Lehmbrocken von Hauswänden und Steingeräten bekannt. Es stellte sich die Frage, ob das Material nur noch ober-flächlich vorhanden war, oder ob noch Funde im Sediment verborgen lagen. Letzteres würde dafür sprechen, dass die Erosion das Plateau des Kapellenberges nicht ganz so angegriffen hatte, wie das von anderen Fundplätzen bekannt ist. Tatsächlich konnten in einem kleinen Schnitt Konzentrationen von Keramik, Lehm, Holzkohle und einigen Steingeräten kartiert werden. Die-se weisen zwar nicht auf eine noch intakte ehemalige Oberfläche hin, wohl aber auf einen Tritthorizont unterhalb der damaligen offenen Flächen um die Häuser. Solche Tritthorizonte sind für die allermeisten steinzeitlichen Dörfer nicht erhalten.

Da der Kapellenberg heutzutage von Wald bedeckt ist, können immer nur kleine Parzellen un-tersucht werden, so sollen auch in den nächsten Jahren Flächen im Plateaubereich und an den Hängen geöffnet werden.

„Die Konzentration von hunderten von Keramikscherben unterhalb einer ehemaligen Oberflä-che sind für Siedlungen der Michelsberger Kultur sonst noch nirgendwo beobachtet worden, von manchen Kolleginnen und Kollegen wird gar die Existenz von Siedlungen innerhalb von Wall-Graben-Anlagen ganz angezweifelt. Die diesjährigen Erkenntnisse werden die Diskussionen neu beleben – wiederum erweist sich der Kapellenberg als Glücksfall für die archäologische Forschung“, erläuterte Prof. Dr. Detlef Gronenborn, Projektleiter am RGZM.
„ Das die Geschichte vom Kapellenberg seit den ersten Lesefunden in den 70iger Jahren dann zu derart neuen Erkenntnissen und einer Neubewertung führt, lässt die Geschichte auch von Hof-heim in einem anderen Licht erscheinen“, bewertete Bürgermeisterin Gisela Stang die weiteren Untersuchungen.
„Die hessenARCHÄOLOGIE wird das Projekt am Kapellenberg weiter fördern, umso mehr als dass es in das Forschungskonzept zu historisch gewachsenen Kulturlandschaften in Hessen passt. Die gute Zusammenarbeit mit dem RGZM wie auch mit der Stadt Hofheim sind beispiel-haft“ sagt der stellvertretende Landesarchäologe Dr. Udo Recker.
Die in dieser Woche endende Grabung wurde ausgerichtet vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM) und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Kooperation mit der hessenARCHÄOLOGIE und unterstützt von der Stadt Hofheim. Sie wird begleitet von einer Ausstellung im Stadtmuseum Hofheim sowie Führungen über den Kapellenberg, von denen eine noch am 28. September um 15:00 stattfinden wird.


Website des RGZM zum Kapellenberg: http://web.rgzm.de/936.html
Presseinformationen Sabrina Jung
Tel.: +49 (0) 6131/9124-130
Mail: riesrgzmde


Wissenschaftlicher Kontakt Prof. Dr. Detlef Gronenborn
Tel.: +49 (0) 6131/9124-0
Mail: gronenbornrgzmde

Dr. Udo Recker
hessenARCHÄOLOGIE
Landesamt für Denkmalpflege Hessen
Schloss Biebrich / Ostflügel
65203 Wiesbaden
0611-6906-131 (Sekretariat)
u.reckerhessen-archaeologiede

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