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Maßnahmenpaket für Wohngebiet ,Vorderheide II'

Maßnahmenpaket für Wohngebiet ,Vorderheide II'

Mehr Wohnraum und Nahrung für die Bechsteinfledermäuse

HOFHEIM Bei der Fledermaus-Untersuchung im geplanten Wohngebiet „Vorderheide II“ gab es eine Überraschung: Die streng geschützten Bechsteinfledermäuse, die eigentlich Waldbewohner sind, hatten 2012 und auch 2013 die Höhle eines alten Obstbaumes als Sommerquartier (Wochenstube) ausgewählt.

Bei einer Bebauung der Vorderheide II muss den Fledermäusen daher ihr angestammter Lebensraum wieder „schmackhaft“ gemacht werden.
Damit dies gelingt, hat die Stadt Hofheim in Zusammenarbeit mit HessenForst umfangreiche Maßnahmen für den angrenzenden Stadtwald entwickelt. Sie sind in einem ergänzenden Verfahren zum Bebauungsplan „Vorderheide II“ rechtlich abzusichern.

Stadtrat Wolfgang Winckler hat das Maßnahmenpaket am Donnerstag gemeinsam mit Ronald Klein-Knott, Gesellschaft für Entwicklung und Vermarktung AG, Thomas Müller, Entwicklungsgesellschaft Hofheim mbH & Co. KG – EGH, sowie Michael Groß vom Planungsbüro für Städtebau vorgestellt.

Das Maßnahmenkonzept erstreckt sich über eine Fläche von circa 203 Hektar Stadtwald und will die Fledermäuse motivieren, in ihren eigentlichen Lebensraum Wald umzuziehen – durch ein vielfältigeres und größeres Angebot an Wohnraum und Nahrung.

Vorgesehen sind folgende Maßnahmen:

Sicherung und Erhöhung der Habitatbaumanzahl
Ziel ist die Entwicklung von 10 Habitatbäumen je Hektar Waldfläche speziell für die Bechsteinfledermäuse in über 80jährigen Beständen. Dies würde insgesamt zu einem Angebot von rund 2060 Bäumen für die Fledermäuse führen. Die Hälfte dieser Bäume ist bereits vorhanden, jährlich sollen 60 bis 100 Habitatbäume dazu kommen bis das Ziel erreicht ist.

Entwicklung von Habitatbäumen durch Kappungen
Im kommenden Winter soll an 80 Buchen die Krone gekappt werden, damit sich rasch Fäulnis entwickelt und damit eine Höhlenbildung durch Spechte. Solche Spechthöhlen werden bevorzugt von Fledermäusen angenommen.


Auflichtung von Waldbeständen
An bestimmten Stellen sollen – ebenfalls im Winter 2013 / 2014 - die vorhandenen Waldbestände aufgelichtet werden. Fällt mehr Licht ein, so wird der Unterwuchs gefördert und damit das Nahrungsangebot für die Bechsteinfledermäuse gesteigert. Diese ernähren sich von kleinen Insekten, zum Beispiel Fliegen, Mücken oder Nachtfaltern, und anderen Beutetieren wie Spinnen und Raupen, die sie direkt von der Vegetation auflesen.

Förderung von Alteichen
Buchen, die die Alteichen zu überwachsen drohen, sollen gefällt beziehungsweise geringelt werden. Ziel ist, die vorhandenen Alteichen zu fördern, denn sie besitzen ein hohes Nahrungspotential und eine besondere Bedeutung als Lebensraum für die Bechsteinfledermäuse.

Anlage von Himmelsteichen
Himmelsteiche sind Teiche, die ausschließlich mit Niederschlagswasser gespeist werden. Vier von ihnen mit jeweils etwa 200 Quadratmeter Grundfläche sollen angelegt werden und das Nahrungsangebot für die Bechsteinfledermaus weiter steigern.

Hinzu kommen weitere Maßnahmen innerhalb des Stadtwaldes wie zum Beispiel:
• das Anbringen von 300 Fledermauskästen, was bereits 2012 und 2013 geschehen ist;
• Schaffen von Spaltenquartieren an der Giebelseite des Forsthauses;
• Anbringen von Baumteilen mit Quartiereignung für die Fledermaus an 30 ausgewählten Bäumen;
• keine Erhöhung des Nadelbaumanteils in definierten Waldbereichen.


Außerhalb des Stadtwaldes sollen die bereits vorgesehenen Maßnahmen, die Bestandteil des Bebauungsplanes sind, ergänzt beziehungsweise verfeinert werden. Dazu gehören:
• eine extensive Beweidung, um das Nahrungsangebot für die Fledermaus zu erhöhen
• das Umsetzen von bis zu 10 Obstbäumen, zusätzlich zu den vorhandenen Großbaumverpflanzungen, um weitere Höhlen(bäume) zu erhalten.

Damit die Bechsteinfledermäuse nicht abrupt ihren als Wochenstube genutzten Apfelbaum verlieren, soll das Baugebiet in 2 Abschnitten erschlossen werden.
Im ersten Abschnitt bleibt der Baum unangetastet, wird jedoch nach und nach durch die herannahenden Bau-Aktivitäten weniger attraktiv. Den Fledermäusen bleibt so Zeit, sich neue Quartiere im nahen, durch die genannten Maßnahmen schon aufgewerteten Stadtwald zu suchen.

Durch die Umsetzung des Maßnahmenpaketes erleidet die Stadt Hofheim einen Bewirtschaftungsverlust im Stadtwald von rund 272.000 Euro. Diesen gleicht der Vorhabenträger, die Entwicklungsgesellschaft Hofheim, aus.
Errechnet wurde der Betrag vom Landesbetrieb Hessen-Forst, Servicezentrum Forsteinrichtung und Naturschutz (FENA).


Zur Vorgeschichte
Nachdem der Bebauungsplan „Wohngebiet Vorderheide II“ am 5. Oktober 2011 von der Stadtverordnetenversammlung als Satzung beschlossen und dann bekannt gemacht wurde, hat der BUND bekanntlich Normenkontrollklage beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof gegen den Bebauungsplan erhoben.

Das Gebiet „Vorderheide II“ war im Rahmen der planerischen Bearbeitung zwar bereits mehrfach intensiv untersucht worden, jedoch waren aufgrund der langen Planungszeit Teilergebnisse der Untersuchungen schon mehrere Jahre alt.

Deshalb haben – auch mit Blick auf die verschärften Anforderungen der Rechtsprechung in Bezug auf Artenschutz - Stadtverwaltung und Projektträger entschieden, insbesondere die Fledermausuntersuchung nach dem neuesten wissenschaftlichen Methodenstand überprüfen zu lassen und auch Ergebnisse der anderen faunistischen Untersuchungen noch einmal zu verifizieren.

Im Rahmen dieser kritischen Prüfung haben sich - mit Ausnahme der Fledermaus - alle Ergebnisse bestätigt. Die Fledermaus-Untersuchung brachte die Überraschung, dass der Apfelbaum als Wochenstube genutzt wird.
Wann und warum sie den Wald verlassen hat, ist nicht zu klären. Gleichwohl musste naturschutzrechtlich auf diesen Fund reagiert werden, was mit dem umfangreichen Maßnahmenpaket geschieht.

Für die Umsetzung und rechtliche Absicherung dieser Maßnahmen bedarf es eines Ergänzungsverfahrens zum Bebauungsplan und einer Änderung beziehungsweise Ergänzung des Städtebaulichen Vertrages für die artenschutzrechtlich notwendigen Maßnahmen.

Der Magistrat wird in einer der nächsten Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung den Beschluss zu einer erneuten Offenlage einbringen.



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