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Hofheim nimmt Abschied von ,seinem' Förster Eberhard Esser

Hofheim nimmt Abschied von ,seinem' Förster Eberhard Esser

HOFHEIM Eberhard Esser hat nach fast 30 Jahren Abschied von „seinem“ Hofheimer Wald genommen und ist am 30. September aus dem Dienst von Hessen Forst beim Forstamt Königstein aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand gewechselt.

Vor wenigen Tagen haben ihn Bürgermeisterin Gisela Stang und Stadtrat Wolfgang Winckler ins Rathaus eingeladen, um sich zu verabschieden und dem Leiter der Revierförsterei Hofheim ganz öffentlich zu danken. „Das ist uns wichtig, denn Sie haben sich für unseren Wald und für uns eingesetzt“, so Stang und überreichte ihm – zur bleibenden Erinnerung - die große Silbermedaille der Stadt.

1985 kam Esser von Sigmaringen nach Hofheim und hat seitdem die Reviere Kapellenberg und Marxheim sowie den Tierpark betreut.
Von Anfang an hat er mit seiner Familie, Frau und zwei Töchtern, im Forsthaus gewohnt – und war, ob daheim oder unterwegs, stets ansprechbar für alle Fragen rund um den Wald. „Das macht den Förster aus, er muss zum Anfassen sein“, betonte Esser, der aus einer Förster-Dynastie stammt. Seine Großväter und Urgroßväter waren Förster, und so gehörte der Wald mit all seinen Facetten von klein auf zum Leben von Eberhard Esser.

Als er nach Hofheim kam, war der Wald gerade zum Erholungswald erklärt worden. Nicht immer war es einfach, die ganz unterschiedlichen Interessen der Waldnutzer auszugleichen. Gern fragt Esser, wie Wald buchstabiert wird. „W-a-l-d – wir alle leben davon, sage ich dann“, so der Förster. Da sind Beeren und Wild zum Essen, das Holz wird zum Feuermachen verwendet, es spendet Wärme und Hitze zum Kochen. Der Wald diente im Krieg als Versteck, seine hohen Bäume auch als Beobachtungsposten.
Aber Wald ist für die Natur, für Tier und Mensch noch weit mehr. „Er ist Wasserspeicher, Klimaverbesserer und Lebensraum für eine unglaubliche Artenvielfalt“, erläuterte Esser. Wie wichtig der Wald für das Leben und Überleben ist, wurde im Forst früh erkannt: „Hier kommt der Begriff Nachhaltigkeit ursprünglich her. Schon vor 200 Jahre wurde der Grundsatz der forstlichen Nachhaltigkeit entwickelt, dass nicht mehr Holz geschlagen werden darf als nachwachsen kann.“

Die vielfältige Nutzung des Waldes durch den Menschen ist geblieben. Heute sammeln sie weniger Beeren. Dafür ist der Wald ein recht gewichtiger Wirtschaftsfaktor und gerade in einem Ballungsgebiet wie Rhein-Main vor allem ein nahe gelegener Ort für Erholung und Freizeitgestaltung.
Der Zustand der Waldwege hat etwa in Hofheim ein ganz anderes Gewicht als in ländlich gelegenen Revieren, und so hat sich Esser von Anfang an auch besonders um die Rundwege am Kapellenberg und in Marxheim gekümmert.

Stadtrat Winckler bestätigte ihm, dass er seiner nicht einfachen Rolle als Förster über all die Jahre gerecht wurde. „Sie haben den Wald geprägt und in vielen Bereichen ist Ihre Handschrift zu spüren.“

Gern erinnert sich Esser an Ereignisse wie den Hessentag 1988 oder die 650-Jahrfeier im Jahr 2002, in die er den Wald als Teil städtischen Lebens integrierte. Damals – zum Hessentag – waren Informations-Tafeln zum Waldsterben aufgestellt worden. „Ein Thema, das Mitte der 80er Jahre aktuell wurde“, so Esser. Bei den Feiern zum Stadtrechte-Jubiläum sorgte er dafür, dass die Gäste das Handwerk des Köhlers erleben konnten.

Natürlich galt sein Hauptaugenmerk dem Wald. Die Bäume fördern, die an einem Standort gut wachsen und damit die Bestände stabiler werden lassen. Das ist sein Prinzip. Trotz des Orkans Wiebke, der 1990 die vier- bis fünffache Jahresmenge an Bäumen umgeworfen hat, und seiner Nachfolger stehe der Hofheimer Wald heute gut da.

Nicht so gern denkt Esser an die Forstreform in Hessen 2004 / 2005 zurück, die einher ging mit der Auflösung des Forstamtes Hofheim. Er musste zusätzlich das Revier Lorsbach mit Langenhain, Diedenbergen und Wallau betreuen. Das waren insgesamt mit dem Kapellenberg und Marxheim rund 1.300 Hektar. Die Wege wurden weiter, die Zeit knapper.

Insgesamt aber ist seine Bilanz positiv: „Ich habe Hofheim schätzen gelernt“, sagte er und auch seine Familie fühlt sich wohl. Im Forsthaus werden die Essers nicht mehr lange wohnen, aber der Förster im Ruhestand wird ganz sicher noch die ein oder andere Frage von Spaziergängern beantworten. Denn dass Eberhard Esser dieser Tage ganz privat im Wald unterwegs ist, hat sich noch nicht wirklich herumgesprochen. Für die Hofheimer ist er immer noch „unser Förster“.

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