Sprungmarken
Sie befinden sich hier
Startseite
Rathaus
Pressemitteilungen
Haus der Jugend in Hofheim besteht 30 Jahre

Haus der Jugend in Hofheim besteht 30 Jahre

HOFHEIM Die beliebte Anlaufstelle für Jugendliche im Hofheimer Stadtzentrum feiert im Jahr 2013 ihr 30-jähriges Bestehen. Wir blicken zurück auf eine wechselvolle und bewegte Geschichte.

Im Treppenhaus des Hauses der Jugend in der Hofheimer Altstadt hängt ein bedeutendes zeitgeschichtliches Dokument: ein Flugblatt, in dem eine neugegründete Aktionsgruppe ein Jugendzentrum für die Kreisstadt fordert.

Ziel sei es, den Jugendlichen aller Bevölkerungsschichten Hofheims Möglichkeiten sinnvoller Freizeitgestaltung ohne Konsumzwang zu bieten: „Wir fordern deshalb mehrere Räume zur Diskussion, zum Malen, Musik machen und Lesen, weil das Jugendzentrum sämtlichen Interessen der Hofheimer Jugend entsprechen soll. Die Hofheimer Jugend soll endlich zu ihrem Recht kommen!“

Und so fordert das Flugblatt alle Jugendlichen zur Unterstützung auf, Treffpunkt Thomasgemeinde, am 5. Oktober 1972.

Über zehn Jahre sollte es noch dauern, bis im Jahr 1983 das Haus der Jugend im ehemaligen Hof Ehry in der Burgstraße 26 seine Pforten öffnen konnte.

Im Jahr 2013 folgt die Arbeit im Haus der Jugend im Wesentlichen noch immer jenem Anspruch, den die Initiativgruppe im März 1973 in einer an den damaligen Bürgermeister Schwichtenberg überreichten Resolution formuliert hatte: ein Ort zu sein, der die freie Entfaltung des Einzelnen ermöglicht.

Es ist ein Ort der Offenen Jugendarbeit, und dies bedeutet Offenheit für alle Jugendlichen, Offenheit für deren Themen und Anliegen, Lebenslagen und Ausdrucksformen.

Das Haus der Jugend stellt seiner Zielgruppe in diesem Sinne zahlreiche Ressourcen zur Verfügung, womit die räumlichen Möglichkeiten ebenso gemeint sind wie die pädagogischen Fachkräfte vor Ort.

Mit dem offenen Treff als Anlaufstelle und Herz des Hauses, dem großen Hof und der Scheune, mit dem Schülerbüro, dem Musikstudio und dem selbstverwalteten Jugendcafé „Memento“, nicht zuletzt auch mit den Jugendtreffs in den Stadtteilen und den
hinausreichenden Veranstaltungen bietet das Haus der Jugend seiner Zielgruppe viele Möglichkeiten der individuellen und partizipativen Nutzung.

Und dies mit Erfolg: mit insgesamt 14.377 Besuchen nahmen Jugendliche im Jahr 2012 die Angebote, Leistungen und Möglichkeiten im Haus der Jugend in Anspruch.

Bis dahin war es ein langer Weg.
Die 1970er Jahre wären geprägt von Aufbruchstimmung und Aushandlungsprozessen zwischen Parteien, Initiativen und den zum Teil verschiedenen Interessen der Hofheimer Bürger.
Die Zeitungsüberschriften aus diesem Jahrzehnt sprechen Bände: Von einem „Sturm auf das Hofheimer Parlament“ war zu lesen, vom „Warten auf das Jugendzentrum“, von kleinen Fortschritten und großen Rückschlägen.

Im Jahr 1974 wurden zwei Räume im Kellereigebäude als Haus der Jugend bereitgestellt, als Alternative zum Projekt selbstverwaltetes Jugendzentrum, um das es zwischenzeitlich mal ruhiger, mal wieder lauter wurde.

Im Frühjahr 1979 wurde schließlich ein interessanter, letztendlich folgenreicher Vorschlag laut.

Zu jener Zeit wurde die „ungewisse Zukunft“ des damals leerstehenden, „sogenannten Ehry-Hofs in der Hofheimer Burgstraße“ diskutiert, etwa der Umbau zu einem Heimatkundemuseum oder Volksbildungszentrum – oder, mit den bekannten Folgen, zu einem „Haus für die Jugend“.

Wer jedoch meint, dass es ab da Schlag auf Schlag ging, der irrt. Tatsächlich gingen der Standortstreit und die Aushandlung der inhaltlichen Ausrichtung weiter, die Presse sprach 1980 sogar von „erheblichen Geburtswehen“.

Im Kontext zur damaligen Zeit ist dann heute die verpflichtende Rahmenkonzeption zu sehen, die unter anderem zur Folge hatte, dass der Hof Ehry kein Jugendzentrum „als Teil des Klassenkampfes“, gar als „proletarisches, revolutionäres emanzipatorisches Gegenmilieu“ wurde, sondern ein Haus der Jugend.

Im April 1982 dann wurde endlich der erste Spatenstich getätigt und die umfangreichen Maßnahmen zum Umbau des Hofs Ehry konnten ihren Lauf nehmen.

Über eineinhalb Jahre Zeit sollten diese Maßnahmen schließlich in Anspruch nehmen – tatkräftig unterstützt von zahlreichen Jugendlichen, die als Maler und Möbelbauer selbst engagiert Hand an ihr zukünftiges Haus der Jugend legten; ein Arbeitsprinzip, das auch heute noch im Haus der Jugend Anwendung findet.

Am 8. Oktober 1983 schließlich wurde das Haus mit einem Internationalen Kinderfest/Spielefest feierlich eingeweiht.

Bis das Haus aber wirklich allen jungen Menschen regelmäßig zur Verfügung stehen konnte vergingen weitere fünf Monate.

Im März 1984 dann fiel endlich der langersehnte Startschuss für den offenen Betrieb, standesgemäß im Viersprung:

Bei der offiziellen Eröffnung am Donnerstag den 16. März 1984 wurde durch den damaligen Stadtrat und späteren Bürgermeister Rolf Felix die bewegte Entwicklungsgeschichte seit 1979 aufgezeigt, sowie die Konzeption dar- und die Finanzierung offengelegt.
Am Freitag dann lockte die „Eröffnungsfete mit viel Trubel im ganzen Haus“ mit Live-Musik der Gruppe „Wucht in Dutte“ im Jugendcafé und Chill-Out in der Teestube im Redaktionsraum.
Am Samstag schließlich hieß es „Power in der Scheune“ mit den Rock-Gruppen „Hob Goblin“ und „Shape“, wobei laut Kreisblatt „genügend Feuer entfacht werden“ sollte, um das kalte Wetter vergessen zu machen.
Einen Abschluss bildete am Sonntag ein Tag der offenen Tür, den der Veranstalter mit folgenden Worten ankündigte: „für alle Hofheimer, die mal gucken wollen, was wir da so machen!!!! Informationen – Live-Musik - Tee-Stube mit der Jugend- und Drogenberatung – Aktion in allen Räumen!!!!“.

Ein vielversprechender Start, dieser Meinung war auch die Hofheimer Zeitung. Und so konnte das Haus der Jugend ab der Folgewoche den offenen Betrieb aufnehmen.

Dieser Betrieb wurde im Jahr 1985 bildhaft in der Presse beschrieben: „Im Hof parken Fahrräder und Mofas, aus dem Keller dröhnen Trommelwirbel, unter dem Dach trifft sich die Videogruppe und im Café kann man wegen der voll aufgedrehten Stereoanlage kaum sein eigenes Wort verstehen – ein Nachmittag im Hofheimer Haus der Jugend.“

Das Haus der Jugend sei, so der damalige Jugendpfleger Achim Wickel, „ein Treffpunkt für Jugendliche, wo neue Ideen entwickelt und oft gleich in die Tat umgesetzt werden können.“

Und so ging es denn weiter mit der Entwicklung der Hofheimer Jugendarbeit: im Haus der Jugend, in den Stadtteilen, einige Jahre in den 1980ern sogar mit einem „rollenden Jugendcafé“ in Form eines ausrangierten und umgebauten Linienbusses.
Weiter ging auch die politische und öffentliche Diskussion um die Jugendarbeit, die wahlweise um Besucherzahl und –struktur oder das „alte, faltige Konzept“ kreiste.

Spekulationen um eine Schließung des Hauses kamen bereits im ersten Jahrzehnt auf, doch schon 1989 unterstrich Rolf Felix, dass nicht die Quantität, sondern die Qualität der geleisteten Arbeit im Vordergrund stehen müsse.

Es blieb spannend, sei es hinsichtlich der täglichen pädagogischen Arbeit, der zahlreichen Projekte (Konzerte, Parties, Sportangebote und Workshops), der personellen Veränderungen oder der konzeptionellen Fortentwicklung.

Ob der Jugendarbeit eine positive oder negative Bilanz ausgestellt wurde, war denn auch häufig nur eine Frage von Monaten.

Das Haus der Jugend trotzte immer wieder zum Teil heftigem Gegenwind und sollte in Folge der Lebensweltanalyse von 2004 ursprünglich aufgegeben werden, blieb dann aber als „Anlaufstelle mit sozialer Funktion“ und „präventivem Charakter“ erhalten, da das Jugendhaus als „pädagogischer Raum“ unverzichtbar war.
Es versteht sich von selbst, dass eine solche Position nicht einfach aus dem Nichts entstanden ist, sondern eine Folge konstanter pädagogischer Arbeit und konzeptioneller Weiterentwicklung ist.

Bedeutende Meilensteine liegen am Rande dieses Weges, der den pädagogischen Alltag und die alltägliche Arbeit im Haus der Jugend beschreibt.

1996 etwa eröffnete mit dem ehrenamtlich geführten Jugend-„Café L’egal“ im alten Kuhstall am Haus der Jugend ein weiterer Raum zur Realisierung partizipativer, offener Jugendarbeit, der heute, nach mehreren Generationenwechseln, als „Café Memento“ immer noch Bestand hat.

Das Angebot im (und um das) Haus der Jugend wurde außerdem stetig erweitert, wie beispielsweise durch die Einrichtung des professionellen Musikstudios mit Hilfe engagierter Jugendlicher im Jahr 2009.

In diesem Zusammenhang zu nennen ist selbstverständlich auch die aufsuchende Arbeit und Mediation im öffentlichen Raum, sowie vor allem die (Weiter-)Entwicklung der Jugendarbeit in den Stadtteilen und die Eröffnung der dezentralen Jugendtreffs seit den 1990er Jahren; zuletzt wurde 2011 der Jugendtreff im neuen Marxheimer Bürgerhaus eingeweiht.

Auch die Bemühungen um die Hofheimer Musikszene gehören dazu.

Lautstarke Zeugnisse sind beispielsweise zahlreiche Konzerte, unter anderem zum Wäldchestag oder im Rahmen des Kreisstadtsommers, die vom Team Jugendarbeit mit Unterstützung ehrenamtlicher Jugendlicher und engagierter Partner organisiert werden.

So wie auch die erfolgreiche Konzertreihe „Rock gegen Aids“, die auch 2013 noch stattfindet, und der neue Musikwettbewerb „Next Local Hero“, der im Jahr 2014 in die dritte Runde gehen wird – alles Beispiele für die enge Kooperation mit lokalen Partnern, wie dem Club der Jazzfreunde e.V., dem Zentrum für Jugend- und Suchtberatung, der Schuldnerberatung Hofheim oder Förderern wie dem Damen-Lions-Club Hofheim/Rhein-Main und zahlreichen weiteren Kooperationspartnern in verschiedensten, nicht nur kulturellen Projekten.

Auch im Jahr 2013 hat das Haus der Jugend eine ungebrochen hohe biographische, soziale und jugendkulturelle Bedeutung für eine Vielzahl junger Hofheimer. Das Haus und die Mitarbeiter des Teams Jugendarbeit sind nach wie vor eine wichtige Anlaufstelle für verschiedenste Anliegen und Interessen und reagieren in ihrer Arbeit unmittelbar auf die Themen, Bedarfe und Impulse der Jugendlichen, so wie es vor über drei Jahrzehnten begonnen wurde. Der Stellenwert dessen ist nicht zu unterschätzen.

Suche