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Sonderausstellung

Ida Kerkovius – Im Herzen der Farbe

Eine Ausstellung des Städtischen Museums Engen + Galerie

15. Oktober 2017 - 11. Februar 2018
Verkündigung (Selbstbildnis), 1932. Kunstmuseum Stuttgart
Verkündigung (Selbstbildnis), 1932. Kunstmuseum Stuttgart

Mit Ida Kerkovius (1879–1970) zeigen wir eine Künstlerin der Klassischen Moderne, deren Werk bis heute auf die Entdeckung durch ein größeres Publikum wartet. Sie war Schülerin Adolf Hölzels an der Stuttgarter Akademie und gehörte, wie ihre berühmten Kollegen Willi Baumeister und Oskar Schlemmer, zur Avantgarde der deutschen Kunst.

In Stuttgart verbrachte sie die längste Zeit ihres Lebens, von hier ging sie auf Reisen u. a. nach S. Angelo auf Ischia, in die Bretagne, nach Norwegen und malte ihre farbintensiven Reisepastelle — hier musste sie aber auch die dunkle Zeit des Nationalsozialismus und die Zerstörung ihres Ateliers im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges erleben.

Polnische Landschaft, 1943. Kunstmuseum Stuttgart
Polnische Landschaft, 1943. Kunstmuseum Stuttgart
Ida Kerkovius, Hofheim 1960.
Ida Kerkovius, Hofheim 1960.© Estate Marta Hoepffner

„Die Farbe ist mir angeboren, hat mir niemals eine Schwierigkeit gemacht.“(1964)

Von 1920-23 besuchte Ida Kerkovius das Bauhaus in Weimar, wo sie sich die Kunstlehren von Johannes Itten, Wassily Kandinsky und Paul Klee aneignete, und das sie als reife, autonome Künstlerin verließ.

Als sie schließlich, hochbetagt und hochgeehrt, im Alter von über 90 Jahren in der schwäbischen Metropole starb, war die kleine Dame mit den blauen, wachen Augen als letzte Vertreterin der Moderne bereits zur Legende geworden.

Interieur, 1934. Privatbesitz. Foto: Bernhard Strauss
Interieur, 1934. Privatbesitz. Foto: Bernhard Strauss

Kerkovius, die Zauberin der Farbe, hat als besonderes Merkmal ihrer Kunst eine die Seele des Menschen berührende, emotionale Bildsprache hervorgebracht, die den Betrachter als phantasiebegabtes Wesen in die sinnliche Wahrnehmung ihrer Bilder miteinbezieht.

Ihr undogmatisches, keiner Stilrichtung verpflichtetes Kunstverständnis brachte Kerkovius seitens der Kritik aber auch den Ruf einer „naiven“ Malerin ein, die der „weiblichen“ Intuition, nicht aber dem „männlichen“ Intellekt folge. So überholt dieses traditionelle Rollenklischee heutzutage auch ist, es blieb nicht ohne Wirkung.

"Mein Schaffen ist von zwei Polen bestimmt: einerseits die Ausdrucksmittel für das innere Erlebnis zu finden, andererseits primär mit dem Spiel der Mittel aus dem Material heraus zu beginnen, daraus entwickelt sich der lebendige malerische Organismus, der mich am stärksten in der Polarität von Farbe und Form beschäftigt und mir immer noch die Möglichkeit gibt mich weiterzuentwickeln." (Ida Kerkovius, 1949)

Riga,1931; Weihnachtsbild, 1942; Kind und Spielzeug, 1944.
Riga,1931; Weihnachtsbild, 1942; Kind und Spielzeug, 1944.© Sammlungen Schurr und Reinhardt-Schurr. Foto: Frank Kleinbach
Hier setzt die Konzeption der Ausstellung an, die den offenen, zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion angesiedelten Werkcharakter von Kerkovius aufgreift. In speziell aufeinander abgestimmten Konstellationen treten die Bilder miteinander in Dialoge.
Verkündigung, 1949. Kunstmuseum Stuttgart
Verkündigung, 1949. Kunstmuseum Stuttgart

Ihr Werk zeichnet sich durch eine die Seele berührende Bildsprache aus, die den Betrachter in die sinnliche Wahrnehmung der Bilder einbezieht. Die schöpferische Intelligenz ihrer Bildsprache, das Sprühende und Inspirierende ihres Schaffens wird auf diese Weise unmittelbar erkennbar und erlebbar. Neben assoziativen Werkgruppen werden die für Kerkovius charakteristischen Sujets „Reisebilder“ und „Stillleben“ sowie speziellere Themen wie „Zirkusbilder“ und „Kinderkunst“ gezeigt.

Katalog, 150 Seiten, Engen 2017, 24,80 Euro



"...grüssen Sie mir Ihr ganzes liebes, blaues Haus..."

Auf Empfehlung von Ottilie W. Roederstein nimmt Hanna vom Rath in den Kriegswintern 1915-18 privaten Mal- und Zeichenunterricht bei Ida Kerkovius in Stuttgart. Diese Jahre markieren den Beginn einer mehr als 50 Jahre währenden Freundschaft.

Die Bezeichnung „Blaues Haus“ wurde wohl von Ida Kerkovius geprägt: „Liebe, grüssen Sie mir Ihr ganzes liebes, blaues Haus u. alle seine Einwohner, auch den Herrn Paul nicht zu vergessen … Immer Ihre alte Kerkovi.“ (Brieffragment 1926)

Paul Fontaine, Hanna Bekker vom Rath und Ida Kerkovius, 1948.
Paul Fontaine, Hanna Bekker vom Rath und Ida Kerkovius, 1948.© Ginny Fontaine

Ida Kerkovius war sehr häufig zu Gast im Blauen Haus in Hofheim und man unternahm gemeinsame Reisen, etwa nach Paris oder ins Baltikum.

Zeitlebens wird Hanna Bekker vom Rath auch ihre Kunstförderin und –sammlerin. Briefe und weitere Dokumente belegen diese lebenslange Freundschaft.

Während ihrer regelmäßigen Aufenthalte in Hofheim lernt Kerkovius Künstler der Nachbarschaft wie Marta Hoepffner und Friedel Schulz-Dehnhardt kennen. Sie baut Verbindungen zu Sammlern und Kollegen aus, die Hanna Bekker vom Rath in Hofheim besuchen.


UNSER DANK GEHT AN DIE LEIHGEBER  

Kunstmuseum Stuttgart

Nachlass Hanna Bekker vom Rath, Frankfurt

Sammlung Helmut Schurr

Sammlung Hermann-Josef Bunte

Sammlung Reinhardt-Schurr

Stadt Freudenstadt

Stiftung SBC – pro Arte, Biberach/Riss

sowie weitere 22 private Leihgeber

Filmpräsentation: „Die Malerin Ida Kerkovius. Ein Bericht von Karl Ebert“, 1966 mit freundlicher Genehmigung des SWR

• Förderkreis Stadtmuseum Hofheim am Taunus e.V.
• Mainova AG
• NASPA Stiftung

Veranstalter: Magistrat der Stadt Hofheim am Taunus – Stadtmuseum/Stadtarchiv in Zusammenarbeit mit ecokids e.V., der Fachstelle Demenz im Caritasverband MTK, dem Förderkreis Stadtmuseum e.V., dem Kunstverein Hofheim e.V. sowie dem Städtischen Museum Engen + Galerie

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Teich im Garten Hofheim 1962. Stadtmuseum Hofheim.
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