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Maria hilf!

350 Jahre gelobte Wallfahrt (1666 - 2016)

29.5.2016 - 21.8.2016
Eröffnung, 29. Mai 2016, 16.00 Uhr

Auch im 17. Jahrhundert bestimmten Kriege, Missernten und Krankheiten in hohem Maße das Leben der Menschen. Der Tod war Teil des täglichen Lebens. Bereits 1635, während des Dreißigjährigen Krieges, hatte die Pest in der Main-Taunus-Region unzählige Opfer gefordert. 1666 brach sie erneut aus. Diesmal war die Seuche aus den Niederlanden gekommen und am Rhein, dann am Main aufwärts gezogen. Die Handelsbeziehungen zwischen Mainz und der Messestadt Frankfurt wurden – wenn auch widerwillig von Seiten der Kaufmannschaft - eingeschränkt, es folgten strenge Kontrollen an den Stadttoren. Große Menschenansammlungen – dazu gehörten auch Prozessionen jeglicher Art – waren zu vermeiden.

Während die Pest in Flörsheim, Hattersheim, Zeilsheim und anderen Orten wütete, war Hofheim noch verschont geblieben. „Im Jahre 1666, den 3. Juni, am Feste der Himmelfahrt des Herrn Mittags um 12 Uhr führte der damalige Pfarrer Joh.[annes] Gleidner, ein geborner Hofheimer, seine Gemeinde in Prozession hinauf durch den mit Reben bepflanzten Abhang nach dem mit uralten Eichen und Buchen dicht bewachsenen Hofheimer Waldberge“, schreibt Pfarrer Antonius Hilf 1864. „Die frommen Waller [Wallfahrer] sangen Bußlieder, beteten und flehten zu Gott um gnädige Abwendung der Pest. [...] Oben auf dem Berge hielt der Pfarrer an das um ihn versammelte und am Abhang des Berges lagernde Volk eine sehr nachdrückliche Rede.“ Man gelobte den Bau einer Kapelle, wenn die Stadt von der Pest verschont bleiben würde und dazu läuteten auf einmal die Glocken von St. Peter und Paul.


Bergkapelle und Exerzitienhaus, Luftaufnahme zw. 1926 und 1936.
Bergkapelle und Exerzitienhaus, Luftaufnahme zw. 1926 und 1936. Foto: Stadtarchiv Hofheim

Zur Bekräftigung erfolgte eine Wiederholung am 2. Juli, dem Fest Mariä Heimsuchung. Pfarrer Gleidner führte „die Gemeinden Hofheim und Marxheim in Prozession auf den Berg“. „Viele fromme Waller aus den benachbarten Pfarreien“ hatten sich dem „Bittgang“ angeschlossen. Gleidner erneuerte das Gelübde, „wenn der liebe Gott die Drangsale der Pest abwende, ihm zur Ehre und zum Lob der heiligen Jungfrau eine Kapelle an dieser Stelle zu errichten“. Gleidner muss ein guter Organisator (Zusammenführen der vielen Prozessionsteilnehmer aus der Region) und durchsetzungsstarker Mann (schnelle Genehmigung zum Bau der Kapelle) gewesen sein. Das Bauholz kam aus dem städtischen Wald. Das Geld zum Bau kam auf Spendenbasis zusammen, und Handwerker aus dem Ort halfen mit freiwilligen Arbeitsleistungen. Am 29. September 1667 wurde die Kapelle zu Ehren Marias und der Pest-Schutzheiligen Rochus und Sebastian geweiht. Der damalige Fachwerkbau wurde 1773 durch die in Stein gebaute und bis heute bestehende Kapelle ersetzt.

Im Jubiläumsjahr 2016 erinnern Stadt und Pfarrgemeinde an diesen 350. Jahrestag des Gelöbnisses, das die Hofheimer, Krifteler, Marxheimer, Münsterer, Hattersheimer und Zeilsheimer seit ebenfalls 350 Jahren durch die jährliche Wallfahrt wachhalten. Im Rahmen der ganzjährigen Aktionen der Kirchengemeinde St. Peter und Paul und unter Beteiligung verschiedenster Institutionen, gesellschaftlicher Gruppierungen, Vereinen und Einzelpersonen, ist der Beitrag des Stadtmuseums die historische Ausstellung „Maria hilf!“. Diese erklärt anschaulich mit 13 Texttafeln, zahlreichen Exponaten und Archivalien die religiösen Hintergründe und Folgeerscheinungen des Kapellenbaus. Außerdem decken die Texttafeln rund 400 Jahre Stadtgeschichte ab. Sie beginnen mit der protestantischen Religionszugehörigkeit der Hofheimer Einwohner, streifen den Dreißigjährigen Krieg mit seinen Schrecken und führen zur großen Pest.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die einheimische Bevölkerung, die – im Gegensatz zu der reichen und adeligen Oberschicht – ihre einzige Hoffnung in der Zuflucht bei Gott sah und der Bitte um Fürsprache durch die Heilige Muttergottes sowie die Pestheiligen St. Rochus und St. Sebastian. Diesen Dreien ist die Hofheimer Bergkapelle geweiht.

Das Anwachsen der Pilgerströme, die Arbeit der Eremiten und die Forderungen der Gläubigen nach mehr und mehr geistlicher Versorgung in der Kapelle der „Maria auf dem Berg“ - auch wenn dieser Erfolg nicht immer im Sinne der örtlichen Pfarrer war - werden beschrieben und natürlich auch die Baugeschichte der ersten und zweiten Kapelle. Vor allem im 19. Jahrhundert nahm die Marienverehrung große Ausmaße an und der Hofheimer Pfarrer Diefenbach ist der Nachwelt besonders durch seine Mariengebeten überliefert. Sein Wallfahrtsgebet „Maria hilf“ gab der Ausstellung ihren Titel.



Unser Dank geht an die Schülerinnen und Schüler der Main-Taunus-Schule und ihrer Lehrerin Frau Silke Dorer-Gommermann für die Mitarbeit an den die Ausstellung begleitenden Texttafeln.

Veranstalter: Magistrat der Stadt Hofheim am Taunus – Stadtmuseum/Stadtarchiv in Zusammenarbeit mit der Pfarrgemeinde St. Peter und Paul, den Schülern der Klassen 10c und 10h der Main-Taunus-Schule in Hofheim, der Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt e.V., der SeniorenNachbarschaftsHilfe e.V. und der Anneliese und Hubert Schullenberg Stiftung 

Mit freundlicher Unterstützung durch:

• Förderkreis Stadtmuseum Hofheim am Taunus e.V.
• Mainova AG
• Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt e.V.
• Anneliese und Hubert Schullenberg Stiftung

 

vvv

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