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Hekate - Ernst Wilhelm Nay

Hekate - Ernst Wilhelm Nay

"Pinselwaschen ist das Abendgebet des Malers"

Das sagte Nay erschöpft zu Hanna Bekker, als sie ihn einmal abends in seinem Hofheimer Atelier besuchte. Hofheim und der Taunus lösten bei Ernst Wilhelm Nay (1902-1968) eine intensive Schaffensperiode aus, wie er schon nach einem seiner ersten Besuche schrieb: 

"Ein großes Bild, 2 Figuren, 2 Frauen in Taunuslandschaft. Sie sehen, ich bin nicht unbeeindruckt nach Hause gefahren. Wie sollte es anders sein. Im Gegenteil ! Ein großer voller Klang ist in mir, aufgebrochen im rechten Augenblick, der will nun Gestalt werden. ..." (E. W. Nay, 1939)

Mitte der 1930er Jahre lernte Hanna Bekker vom Rath den Künstler kennen und lud Ernst Wilhelm Nay 1938 zum ersten Mal in das Blaue Haus ein. Auch während eines Fronturlaubs besuchte er sie in Hofheim wie auch in ihrer Berliner Atelierwohnung.

"Als im Mai 1945 der Zusammenbruch erfolgte und die geistige und künstlerische Freiheit stürmisch losbrach, erschien Nay eines Tages ... in meinem Hofheimer Garten ... und wollte nun sein schon früher her bekanntes Quartier in meinem Haus wieder beziehen. Aber mein Haus war inzwischen von amerikanischen Truppen besetzt; es gelang uns jedoch, ihm ein frei gewordenes Atelier mit Nebenraum zur Verfügung zustellen, dicht am Wald gelegen, in Hofheims erwünschter Abgeschiedenheit." (Hanna Bekker vom Rath, 1970)

Als "Hekatebilder" bezeichnete der ehemalige Leiter des Essener Folkwang-Museums Ernst Gosebruch, der Nay auch in seinem Hofheimer Atelier besuchte, die zwischen 1945 und 1948 in Hofheim entstandenen Arbeiten. Der Name leitet sich ab von einem der mythischen Bildtitel, die Nay in dieser Zeit verwendete: "Tochter der Hekate". Diese Werkphase ist der Übergang von den nie wirklich gegenständlichen zu den ungegenständlichen Bildern Nays. Die Abwendung der Nachkriegskünstler vom Gegenstand, zusammengefaßt in Stilbegriffen wie Informel, Gegenstandslose oder Konkrete Malerei, hatte in anderen Ländern wie Frankreich und den USA bereits stattgefunden. Aufgrund der Kunstdiktatur des Dritten Reiches konnten sich diese Richtungen in Deutschland zuvor nur im Verborgenen und sehr eingeschränkt ausbilden.

In den sechs Jahren (1945-1951), die Nay in Hofheim lebte, entstanden mehr als 250 Bilder."Hofheim am Taunus hat einen idyllischen arkadischen Klang. Das Blaue Haus der Hanna Bekker vom Rath, das Atelier von Ottilie Roderstein, das durch den Krieg nicht zerstörte Kleinstadtmilieu tragen dazu bei, den Platz zu idealisieren, in ihm ein Tuskulum der Künste und der Künstler zu sehen." (Klaus Gallwitz, 1994)

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