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Ausgrabungen auf dem Kapellenberg
Einige Überraschungen sind bei Ausgrabungen im Juli 2008 auf dem Kapellenberg in Hofheim zutage getreten: Die Funde liefern Hinweise, dass der Ringwall während der steinzeitlichen Besiedlung angelegt wurde. Bislang wurde eine eisenzeitliche, römische oder mittelalterliche Befestigung angenommen.
Nadine Richter, Studentin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, untersuchte im Rahmen ihrer Dissertation den Ringwall, um ihn mit Hilfe von wissenschaftlichen Methoden zu datieren.
Festgestellt wurde während der Vermessungen und Ausgrabungen, die seit dem 14. Juli 2008 für drei Wochen stattfanden, dass der Ringwall aus drei Bauphasen besteht. Zunächst wurde eine Holzpalisade errichtet (1. Bauphase). Anschließend wurden wahrscheinlich die Holzpfosten der Palisade entfernt und ein Erdwall aufgeschüttet (2. Bauphase), der zu einem späteren Zeitpunkt zusätzlich noch mit Erde aufgeschüttet wurde (3. Bauphase).
Die Funde (Keramikscherben und Steinwerkzeuge) liefern Hinweise dafür, dass der Ringwall während der michelsbergzeitlichen Besiedlung des Kapellenbergs angelegt wurde. Dies ist überraschend, da zuvor eine steinzeitliche Besiedlung nicht in Betracht gezogen wurde.
Die Ergebnisse der naturwissenschaftlichen Untersuchungen (chemische Analyse der Bodenproben, Botanik- und Holzkohleproben) werden genauere Aussagen zur zeitlichen Einordnung zulassen.
Bislang sind aus der Michelsberger Kultur einige befestigte Siedlungen (Erdwerke) bekannt, vor allem aus Baden-Württemberg (Heilbronn-Klingenberg, Bruchsal-Aue) und Rheinland-Pfalz (Urmitz).
Aus Hessen ist eine befestigte Siedlung aus Wiesbaden-Schierstein bekannt, die um 1900 archäologisch untersucht wurde und mittlerweile aufgrund von Bauarbeiten zerstört wurde.
Siedlungen sind meist zu einem späteren Zeitpunkt überbaut und zerstört wurden (keltische oder mittelalterliche Siedlungen), so dass sich kaum noch Aussagen zur steinzeitlichen Nutzung tätigen lassen.
Selten sind Wälle aus Siedlungen erhalten, da die Erde im Gelände meist verflossen ist und nur der Graben von der Wallanlage archäologisch noch erfasst werden konnte. Aussagen zur Befestigung der Siedlung sind somit also nicht möglich. Anders am Kapellenberg: Hier hat sich durch die Bodenbedingungen der gesamte Wall erhalten.
Bei der Ausgrabung auf dem Kapellenberg kooperieren das Institut für Vor- und Frühgeschichte der Universität Mainz, das Landesamt für Denkmalpflege Wiesbaden und das Römisch-Germanische Zentralmuseums Mainz.
Im Rahmen einer Lehrgrabung der Universität Mainz waren insgesamt 10 Studenten beteiligt.
Das Römisch-Germanische Zentralmuseum Mainz informiert auf seiner Internetseite über die Ausgrabung auf dem Kapellenberg.
Der Kapellenberg liegt am Südrand des Vordertaunus. Aufgrund seiner exponierten Lage am Rand des Maintals erfolgten durch A. v. Cohausen, C. L. Thomas und G. Wolff Ende des 19. Jahrhunderts erste archäologische Untersuchungen. Sie bezogen sich vor allem auf die heute noch vorhandene sichtbare Wallanlage. Neben römerzeitlichen Funden konnten dabei auch vorgeschichtliche Keramik- und Steinfunde geborgen werden.
Eine genaue zeitliche Einordnung des vorgeschichtlichen Fundplatzes samt des ihm umgebenen Walls gelang jedoch nicht.
Da sich die Forschung anderen Anlagen widmete, geriet der Berg aus archäologischer Sicht beinahe in Vergessenheit.
Seit den 1970er Jahren wurden durch Rolf Kubon, Günther sowie Hans-Günter Rühl zahlreiche vorgeschichtliche Keramikscherben (über 14.500) und Steinartefakte (über 600) auf dem Kapellenberg aufgelesen (Lesefunde).
Eine Ausgrabung fand lediglich im Bereich eines schnurkeramischen Grabhügels (2200 v. Chr.) durch Rolf Kubon 1975 statt.
Trotz der Fülle an Funden wurde der Fundplatz samt dem ihm umgebenden Ringwall innerhalb der Wissenschaft jedoch nur im Zusammenhang mit einer eisenzeitlichen (800 - 25 v. Chr.), römischen (25 v. Chr. - 375 n. Chr.) oder mittelalterlichen Siedlung gesehen, eine steinzeitliche Besiedlung wurde nicht in Betracht gezogen.
Innerhalb der Doktorarbeit wurden von Nadine Richter alle Lesefunde ausgewertet.
Die bisher ausgewerteten Funde belegen eine jungsteinzeitliche Siedlung der Michelsberger Kultur (4400 - 3500 v. Chr.), die sich innerhalb des Walls befindet.
Es galt nun zu klären, ob der bekannte Wall zeitlich zur Michelsberger Siedlung gehört oder ob es sich dabei wie bislang angenommen um eine eisenzeitliche, römische oder mittelalterliche Befestigung handelt.
Eine weitere Fragestellung befasste sich mit dem Aufbau des Ringwalls: Wie wurde der Ringwall errichtet?, Wurde ein Graben außerhalb der Walls angelegt?, Wurde der Wall mehrmals erneuert (mehrere Bauphasen)?
Mit der Michelsberger Kultur, die von 4400 – 3500 v. Chr. datiert wird, beginnt das Jungneolithikum (vorher Mittelneolithikum ca. 5000-4500 v. Chr.).
Der Siedlungsraum erweiterte sich, was dazu führte, dass nicht mehr ausschließlich die fruchtbaren Lößböden aufgesucht wurden. Die Menschen der Michelsberger Kultur zog es auf erhöhte Lagen wie Terrassen, Hänge und Höhen.
In Süddeutschland begann man, an den Seeufern so genannte Feuchtbodensiedlungen zu errichten. Die dortigen bereits gut erforschten Siedlungsplätze bestehen aus 10 bis 50 Häusern, von denen jedes einer selbständig wirtschaftenden Familie zuzuordnen ist.
Im Gegensatz dazu wissen wir sehr wenig über die Siedlungen außerhalb der Feuchtbodensiedlungen; überliefert sind lediglich Gruben.
Belege für Gräberfelder, die im vorangehenden Mittelneolithikum vorkommen, fehlen aus der Michelsberger Kultur bislang völlig. Nur selten sind Bestattungen bekannt.
Am Kapellenberg wurde zunächst im Vorfeld der Ausgrabung der Wall ausschnittsweise mikrotopografisch vermessen; dies war notwendig um den genauen Verlauf des Ringwalls nachzuvollziehen, so dass Höhen und Tiefen im Gelände mit Hilfe eines 3D-Geländemodells dargestellt werden konnten.
Zu Beginn der Ausgrabung wurde die Ausgrabungsfläche (Nordwall-Schnitt) eingemessen (dieses Gelände wurde ausgewählt, da der Ringwall an dieser Stelle mit ca. 3 Metern Höhe am Besten erhalten ist).
Für die Ausgrabungsarbeiten wurden zunächst Spaten, Spitzenhaken und Schaufeln verwendet. Dabei konnten michelsbergzeitliche Keramikscherben von Vorratsgefäßen, Schüsseln, Tonlöffeln und Backteller sowie Steingeräte aus Feuerstein (Silex) geborgen werden.
Die im Gelände befindlichen Baumwurzeln wurden mit freundlicher Unterstützung von Herrn Betzel sowie dem zuständigen Förster Eberhard Esser maschinell entfernt.
Da die Bodenbedingungen jedoch sehr hart waren, so dass selbst Spitzhacken zerbrachen, stellte die Stadt Hofheim einen 25 Tonnen Bagger bereit, der innerhalb von einem Tag einen vollständigen Grabungsschnitt anlegen konnte.
Bei diesen Baggerarbeiten wurde immer wieder darauf geachtet, dass keine Funde verloren gehen und eventuelle Gruben oder für den Wallaufbau wichtige Details dokumentiert werden.
Nach Beendigung der Baggerarbeiten wurde der Querschnitt des Ringwalls (Profil) gesäubert (geputzt) sowie dokumentiert und gezeichnet, dabei wurde vor allem Wert auf den Wallaufbau gelegt.
Anschließend wurden Bodenproben für chemische Analysen von Prof. Dr. Wolfgang Wilcke vom Geographischen Institut der Universität Mainz entnommen, um eine zeitliche Abfolge der einzelnen Bodenschichten vorzunehmen.
Nachdem aus dem Querschnitt (Profil) alle Keramik- und Steinfunde entnommen wurden, werden noch Holzkohleproben entnommen um sie ebenfalls für Altersanalysen zu verwenden. Zusätzlich werden auch Botanikproben entnommen, die im Landesamt für Denkmalpflege Wiesbaden durch Prof. Dr. Angela Kreuz ausgewertet werden, um Aussagen zur damaligen Vegetation tätigen zu können.
Anschließend werden die Funde (Keramikscherben und Steinwerkzeuge) noch gesäubert und gezeichnet.

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