"Soweit ich zurückdenken kann, ist mir Malen und Zeichnen eine Notwendigkeit" (Hanna Bekker vom Rath, 1973)
Bereits als 12jährige unternahm sie erste Zeichen- und Malstudien und erhielt mit 20 Jahren endlich die elterliche Erlaubnis, Malunterricht bei Ottilie W. Roederstein zu nehmen. Ihre weitergehende Ausbildung, und gewiss auch prägendste Zeit, erfuhr sie als Schülerin von Adolf Hölzel und Ida Kerkovius in Stuttgart. Die Auf- und Umbruchstimmung während der Endphase des Ersten Weltkrieges beeinflusste sie tief und nachhaltig.
Obwohl Hanna Bekker vom Rath bereits früh damit begann, Arbeiten der mit ihr befreundeten Künstler zu sammeln, während der Zeit des Dritten Reiches auch an andere Sammler zu vermitteln und die Vermittlungstätigkeit schließlich ab 1947 im Frankfurter Kunstkabinett professionalisierte, gab sie zu keiner Zeit ihre eigene Malerei auf.
"Ex-Expressionist"
Mit diesem Zusatz unterschrieb Ludwig Meidner 1925 eine Postkarte an Hanna Bekker.
Während des Dritten Reiches unterstützte sie mutig und engagiert viele als "entartet" verfolgte Künstler, indem sie u.a. heimliche Ausstellungen organisierte.
Auch nach dem Krieg zog das "Blaue Haus" Künstler nach Hofheim. So fand der aus dem Exil zurückgekehrte Ludwig Meidner dank Hanna Bekker vom Raths Hilfe ein Atelier in Hofheim-Marxheim, wo er von 1955 bis 1963 lebte.
"Liebe, grüßen Sie mir Ihr ganzes liebes, blaues Haus u. all seine Einwohner"
So ließ Ida Kerkovius 1925 einen ihrer Briefe enden. Möglicherweise wurde sie damit Urheberin der Bezeichnung "Blaues Haus", die bald nach dem Umbau und Neuanstrich aufkam. Bis kurz vor ihrem Tode besuchte sie Hofheim sehr häufig, hier entstanden vor allem Pastelle und Aquarelle, die Blaues Haus und Garten zeigen. Bei diesen Aufenthalten traf sie auch gemeinsame Freunde, einer von ihnen war Alexej von Jawlensky.