Das Feiern von Festen - kirchlicher und weltlicher Art - gehört zum V ranstaltungen menschlichen Leben und dem Bedürfnis nach Geselligkeit. Es unterbricht die Eintönigkeit des Alltags, setzt Höhepunkte und gibt dem Jahr eine Struktur.
Auch um das Miteinander zu pflegen, Bekanntschaften und Freundschaften zu knüpfen oder den Ehepartner zu finden, sind Feste für die Gemeinschaft unverzichtbar.
Mit dem Feiern sind jedoch Regeln verbunden, zu denen auch Pflege und Weiterführung traditionellen Brauchtums gehören. Während die Einen dieses mit Begeisterung und Hingebung einhalten, lehnen es die Anderen als antiquiert und überholt ab. Diese Ausstellung beschäftigt sich mit vier Festen, die in Hofheim und den Stadtteilen seit Beginn des 20. Jahrhunderts in ihrer mehr oder weniger überlieferten Form gefeiert werden oder wurden. Während bei den Kerbe-Feiern bis heute sehr auf die Tradition geachtet wird, sind manche Oster-
bräuche nur noch in der Erinnerung vorhanden und laufen Gefahr, wohl bald vollständig in Vergessenheit zu geraten. Doch nicht nur einzelne Elemente gehen verloren, auch einzelne Feste gehören der Vergangenheit an oder verlieren ihre eigentliche Bedeutung.
Zu diesen fast erloschenen Festen gehört die Feier des 1. Mai als Tag der arbeitenden Menschen, immerhin der Tag, der seit 1946 in der Hessischen Verfassung wie auch in allen anderen Bundesländern als Feiertag festgeschrieben ist. Seine ehemalige politische und gewerkschaftliche Bedeutung konzentriert sich heute vielerorts auf den „Tanz in den Mai“. Aber auch das Symbol des Maibaum - Stellens und der damit verbundenen Rituale, z. B. des „Setzens“ von Birkenbäumchen für ein umworbenes Mädchen, ist nur noch in der Überlieferung zu finden. Als Freiheitsbaum tauchte er während der Mainzer Republik (ab1792) auf und erfuhr unter den Nationalsozialisten seine Pervertierung als Propagandainstrument. Bis heute erfüllen die heidnischen Wurzeln dieses Symbols unter den Menschen auch spirituelle Bedürfnisse.
Neben diesen öffentlichen Festen sind die Hochzeitsfeiern in der Regel privater Natur. Als Sakrament war das Schließen des Ehebundes früher ausschließlich den Vertretern der Kirche vorbehalten und unauflöslich. Das änderte sich mit der Einführung der Zivilehe. Der Weg zum Standesamt wurde in Hofheim seit 1874 durch unterschiedliche - auch diskriminierende (1933-1945) -Vorschriften der übergeordneten Behörden bürokratisiert. Durch die Übernahme der historischen Standesamtsakten in das Stadtarchiv Hofheim ist es möglich diese Anfänge aufzuzeigen. Selbstverständlich zeigen auch diese Feiern ein Spektrum an Ritualen, beginnend bei der Kleidung, die vor allem ein Ziel haben, das Glück für das Paar einzufordern.
In der Ausstellung sind Exponate und Archivalien zu den ausgewählten Festen zu sehen. Das gezeigte Material stammt aus dem Stadtarchiv, den Archiven der sechs Geschichtsvereine in den Stadtteilen und aus Privatbesitz. Erst durch diese Zusammenarbeit konnte die Ausstellung realisiert und bisher unbekannte Bräuche in Hofheim schriftlich festgehalten werden. Eine Fortsetzung ist geplant.
Eintritt:
Erwachsene 2,60 € ermäßigt 1,60 €
Kinder 6 - 14 Jahre 0,50 €, bis 5 Jahre frei
Stadtarchiv Hofheim, Roswitha Schlecker
06192/966 550