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Bleichstraße 14

 

Biografie - Familie Levi

 

Selma Levi, geb. Falk (geb. 3.8.1886) entstammte ebenfalls der alteingesessenen Familie Falk. Sie heiratete den Viehhändler Leopold Levi, der im September 1918 an den Folgen einer im Ersten Weltkrieg zugezogenen Kriegsverletzung verstarb. 1916 war ihr gemeinsamer Sohn Norbert geboren worden und im Juni 1918 nur wenige Monate vor dem Tod des Vaters der zweite Sohn Felix. Um ihre beiden kleinen Kinder und sich selbst zu ernähren, betrieb sie in Wallau ein Lebensmittelgeschäft.
Wie alle jüdischen Händler und Kaufleute auf dem Land geriet auch Selma Levi bald nach 1933 aufgrund der Boykotte in wirtschaftliche Not. Vermutlich 1935 musste sie ihr Geschäft ganz aufgeben. Im November 1938 wurden im Zuge der gezielten Verhaftungen jüdischer Männer nach der Pogromnacht ihre beiden Söhne in Dachau und Buchenwald inhaftiert. Als ihr Sohn Felix nach einmonatiger Haft zu ihr zurückkehrte musste sie sich ebenso wie er zweimal wöchentlich bei der Bürgermeisterei melden. Nachdem Felix Levi im April 1939 die Ausreise nach Dänemark gelungen war, musste Selma Levi im Juni ihr Haus und Grundstück in Wallau verkaufen. Seit Oktober desselben Jahres musste ihr inzwischen ebenfalls aus der Haft entlassener älterer Sohn in Pilgrim bei Brandenburg Zwangsarbeit leisten. Da er aufgrund einer schweren Erkrankung arbeitsunfähig wurde, kehrte er im Frühjahr 1941 zu ihr zurück. Spätestens ab November 1941 lebten die beiden zwangsweise in der Wiesbadener Straße 8. Bei der ersten Deportation aus Wallau am 8.6.1942 wurden auch Selma Levi und ihr Sohn Norbert wie Herbert Falk und vier weitere Bewohner des Hauses über Frankfurt Richtung Majdanek verschleppt. Von Selma Levi ist nicht bekannt wo und wie sie verstarb.

 

Norbert Levi (geb. 3.12.1916, gest. 22.7.1942) wurde als ältester Sohn von Selma und Leopold Levi in Wiesbaden geboren. Im Herbst 1932 begann er eine kaufmännische Lehre, die er aber vermutlich nicht mehr mit einer Prüfung abschließen konnte. Ab Oktober 1935 musste er wahrscheinlich als einfacher Arbeiter seinen Lebensunterhalt verdienen. Nach der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 wurde er verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald verbracht. Nach seiner Haftentlassung verpflichtete man ihn zur Arbeit beim Straßenbau in Flörsheim. Im Oktober 1939 wurde er im Zuge des „Arbeitseinsatzes von Juden zum Forsteinsatz“ nach Pilgram/Mark gemeldet. Ein Jahr später erkrankte er so schwer, dass er trotz einer längeren Behandlung im Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde Berlin nicht wieder arbeitsfähig wurde. Seiner Entlassung nach Wallau aber stand der Unwillen des Wallauer Bürgermeisters entgegen, der die polizeiliche Anmeldung zu verhindern suchte und erst auf Anordnung des Landrats Norbert Levi die Rückkehr in seinen Heimatort gestattete. Seit dem Frühjahr 1941 lebte Norbert Levi schließlich wieder bei seiner Mutter. Spätestens seit November 1941 wohnten beide zwangsweise im Haus Wiesbadener Straße 8. Ebenso wie seine Mutter wurde Norbert Levi am 8.6.1942 verhaftet und am 11.6.1942 von Frankfurt aus „gen Osten“ deportiert. Sein Weg endete im Konzentrationslager Majdanek, mit der Häftlingsnummer 11321. Er starb dort nur sechs Wochen nach seiner Ankunft am 22. Juli 1942.

 

Felix Levi (geb. 18.6.1918), der jüngere Bruder Norbert Levis, wurde in Wallau geboren. Er besuchte in seinem Geburtsort die Volksschule und absolvierte von 1932 bis zum Frühjahr 1933 einen Ausbildungskursus in der Kaufmännischen Privatschule Emil Strauss in Wiesbaden. Seine weitere Berufsausbildung wurde durch den Nationalsozialismus unmöglich. Zwar erhielt er eine Stellung in der Weingroßhandlung Walter Löwenstein in Wiesbaden, doch war diese nur kurze Zeit später gezwungen zu schließen. Nach verschiedenen vergeblichen Versuchen eine Lehrstelle zu finden beschloss Felix Levi 1937 nach Palästina auszuwandern. Um sich auf das dortige Leben vorzubereiten, wollte er sich nun Kenntnisse in der Landwirtschaft erwerben. Er fand eine entsprechende Beschäftigung in Fischbach bei Augsburg. Dort wurde er im November 1938 verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau verbracht. Nach einmonatiger Haft wurde er nach Wallau zu seiner Mutter entlassen, mit der Auflage sich zweimal wöchentlich bei der Bürgermeisterei zu melden. Im April 1939 erhielt er endlich die Genehmigung zur weiteren Ausbildung in der Landwirtschaft nach Dänemark auszuwandern. Doch die Besetzung Dänemarks durch die deutsche Wehrmacht zwang ihn bald erneut zur Flucht. Er floh nach Schweden, wo er zunächst in einem Flüchtlingslager in Hässleholm, später in Göteborg lebte. Erst im Jahre 1951 gelang es ihm in die USA auszuwandern.